Was Caro C. (26) gegenüber "Heute" schildert, beginnt harmonisch und endet in einem heftigen Streit. Am 15. Oktober adoptiert die Wienerin gemeinsam mit ihrem Freund den 2 Jahre alten Kater "Charlie Bean" aus dem Tierschutzhaus Vösendorf.
"Er wurde uns als unkomplizierte Wohnungskatze vorgestellt", sagt sie. Von relevanten gesundheitlichen Problemen habe sie zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Hinweise auf frühere Blasenprobleme seien aus ihrer Sicht nicht als ernst dargestellt worden, vollständige medizinische Unterlagen habe sie trotz Nachfrage nicht erhalten.
Kurz nach der Adoption ging es Charlie erstmals schlecht, schon bald verschlechterte sich sein Zustand weiter. Im Dezember kam es zu mehreren Tierarztbesuchen und stationären Aufenthalten. Die Kosten stiegen laut Caro C. innerhalb weniger Tage auf rund 2.300 Euro. Sie sagt: Hätte sie die Risiken rund um Blasenprobleme früher gekannt, hätte sie sofort Spezialfutter und vorbeugende Maßnahmen gesetzt.
Der Konflikt spitzte sich ausgerechnet am 24. Dezember zu. Caro brachte Charlie – nach eigener Darstellung wie vereinbart – zur medizinischen Behandlung zurück ins Tierheim. Ein schriftlicher Vertrag wurde unterzeichnet, den sie als Auftragsverwahrung versteht. Für sie war klar: Charlie soll nach Abschluss der Behandlung wieder abgeholt werden.
Doch dazu kam es nicht. Seit diesem Tag lebt der Kater wieder im Tierheim. Caro sagt, sie habe weder einer Abgabe noch einer Weitervermittlung zugestimmt und gehe von einem aufrechten Adoptionsverhältnis aus. Um Klarheit zu bekommen, schaltete sie schließlich einen Anwalt ein. Eine einstweilige Verfügung untersagt ab sofort eine Weitervermittlung.
"Heute" hat bei Tierschutz Austria nachgefragt. Pressesprecher Martin Aschauer ließ dazu ausrichten, im Mittelpunkt stehe "die Verantwortung für das Wohl eines Tieres". Zwar würden sich viele Menschen "nach bestem Wissen und Gewissen" um ihre Tiere bemühen, doch in seltenen Fällen könne eine Haltung "trotz großer Bemühungen nicht funktionieren".
Im konkreten Fall habe Charlie "aufgrund von stressbedingten Ursachen wiederholt keinen Harn absetzen" können. Dies habe zu einer "ernsthaften gesundheitlichen Gefährdung" geführt, die aus fachlicher Sicht "kein weiteres Zuwarten" zugelassen habe.
Laut Tierschutz Austria leidet Charlie an einer idiopathischen Zystitis im Rahmen einer FLUTD-Erkrankung (Feline Lower Urinary Tract Disease). Es lägen keine Harnsteine oder bakteriellen Infektionen vor, sondern eine stress- und psychisch bedingte Problematik. Diese habe wiederholt zu Harnröhrenverstopfungen geführt, "die einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall darstellen können".
Charlie sei deshalb erneut stationär aufgenommen, medizinisch versorgt und über einen längeren Zeitraum beobachtet worden. Im Tierschutzhaus Vösendorf habe er – "im Gegensatz zur vorherigen Haltung" – keine entsprechenden Symptome gezeigt.
Richtig sei, so Aschauer, dass Charlie als Wohnungskatze vermittelt wurde. Diese Vermittlung sei jedoch "in Kombination mit einem rund 20 m² großen, dauerhaft zugänglichen Außenbereich" erfolgt. "Zu unserem beiderseitigen Bedauern hat sich jedoch gezeigt, dass diese Annahme im konkreten Fall nicht tragfähig war."
Aus tiermedizinischer Sicht werde daher gezielt ein Platz mit Freigang gesucht, da diese Haltungsform "nachweislich zur Stressreduktion beitragen und das Risiko eines erneuten Krankheitsausbruchs deutlich senken kann". "Aus diesen fachlichen und tiermedizinischen Gründen wurde die Entscheidung getroffen, die Katze nicht erneut in die vorherige Haltung zurückzuführen", so Tierschutz Austria.
Caro weist diese Darstellung zurück. Sie sagt, Charlie habe bei ihr ruhig gelebt, gut gefressen und sei engmaschig betreut worden. "Ich will meinen Kater einfach wieder nach Hause holen", sagt die 26-Jährige.
Tierschutz Austria hält dagegen: "Die Gesundheit des Tiers hat oberste Priorität." Man habe der Frau sogar eine andere Katze ohne gesundheitliche Probleme angeboten, "sie will das nicht". Zudem betont das Tierheim, eine Operation sei zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen worden. Eine solche würde "lediglich die Gefahr eines Harnröhrenverschlusses reduzieren", aber keinen Einfluss auf das weitere Auftreten der idiopathischen Zystitis haben. Charlie habe beide Aufenthalte "problemlos, ohne Harnkatheter, Harn absetzen" können.