Am internationalen Weltknuddeltag lohnt sich ein Blick auf etwas, das im Alltag oft unterschätzt wird: körperliche Nähe. Umarmungen, Kuscheln und Berührungen gelten vielen als nebensächlich oder sogar verzichtbar. Deshalb soll der "World Hugging Day" am 21. Jänner ins Bewusstsein rufen, dass Zärtlichkeit, Gefühle und Berührungen wichtig sind.
Schließlich zeigen Wissenschaft und Psychologie seit Jahren, wie tiefgreifend sich ein Mangel an Nähe auf Körper und Seele auswirkt.
Der menschliche Körper reagiert auf Berührung mit der Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, das beruhigend wirkt und ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Bleibt diese hormonelle Reaktion aus, dominiert das Stresshormon Cortisol. Das kann dazu führen, dass Menschen sich schneller gereizt fühlen, schlechter abschalten können und dauerhaft innerlich angespannt sind, selbst wenn der Alltag objektiv gar nicht besonders belastend erscheint.
Auch das Immunsystem leidet unter fehlender Nähe. Körperliche Berührung signalisiert dem Organismus Geborgenheit und Stabilität, was entzündungshemmende Prozesse unterstützt. Fehlt dieses Signal über längere Zeit, kann der Körper anfälliger für Infekte werden und sich langsamer erholen. Nähe wirkt damit wie ein natürlicher Schutzfaktor, den viele im hektischen Alltag verlieren.
Sogar der Schlaf reagiert sensibel auf fehlende Berührung. Nähe vermittelt dem Nervensystem Sicherheit, ein Zustand, der wichtig ist, um zur Ruhe zu kommen. Menschen ohne regelmäßige körperliche Nähe berichten häufiger von Einschlafproblemen, unruhigen Nächten oder dem Gefühl, morgens nicht erholt zu sein. Der Körper bleibt gewissermaßen in Alarmbereitschaft.
Ein weiterer Effekt zeigt sich auf emotionaler Ebene. Menschen, die wenig körperliche Nähe erleben, fühlen sich häufiger einsam – selbst dann, wenn sie von anderen umgeben sind. Gespräche und digitale Kontakte können Berührung nicht vollständig ersetzen. Nähe vertieft Bindungen und schafft ein Gefühl von Verbundenheit, das rein verbal oft nicht entsteht. Ohne diese Erfahrung bleibt bei vielen eine diffuse Leere zurück, die sich nur schwer benennen lässt.
Auch die Stimmung kann spürbar kippen. Beim Kuscheln werden neben Oxytocin weitere Botenstoffe freigesetzt, die für emotionale Stabilität und Wohlbefinden sorgen. Fehlen diese Impulse, sinkt die Belastbarkeit. Grübeln nimmt zu, die Laune ist gedrückter, kleine Rückschläge werden als schwerer empfunden. Auf lange Sicht kann ein Mangel an Nähe depressive Verstimmungen begünstigen.
Der Weltknuddeltag erinnert daran, dass Nähe kein Luxus ist und keine Nebensache. Sie ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das sich nicht vollständig durch Worte oder Bildschirme ersetzen lässt. Eine Umarmung mag klein erscheinen, doch ihre Wirkung reicht tief – und manchmal ist sie genau das, was Körper und Seele brauchen.