Österreich erlebt derzeit eine starke Kältewelle mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt – und diese birgt mehr Gefahren, als viele auf den ersten Blick ahnen. Extreme Kälte für den menschlichen Körper schnell ernste Folgen haben. Besonders betroffen sind exponierte Körperstellen wie Finger, Zehen, Nase und Ohren – und ein frühzeitiges Erkennen der Warnzeichen kann im Extremfall lebensrettend sein.
Bei Kälte geht der Körper geht in einen Überlebensmodus über. Um die lebenswichtigen Organe im Kern warm zu halten, reduziert er die Durchblutung an den Extremitäten – und genau dort beginnt die Gefahr. Die Blutgefäße verengen sich, Hände oder Füße werden schnell kalt, taub und blass.
Der Kälteforscher Erich Hohenauer aus Vorarlberg warnte kürzlich im "Heute"-Gespräch: Auch in städtischen Gebieten wie Wien sollte man die Risiken ernst nehmen, denn Wind verstärkt die Kältewirkung enorm. "Bei diesem Effekt handelt es sich um den sogenannten Windchill-Faktor. Weht der Wind mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde bei minus 10 Grad, dann handelt es sich um eine gefühlte Temperatur von minus 15 Grad oder mehr." Erfrierungen sind dann deutlich wahrscheinlicher.
Ein erster Hinweis auf eine beginnende Erfrierung ist die Veränderung der Hautfarbe: Wenn betroffene Körperstellen weiß und gefühllos werden, ist dies ein Alarmzeichen. Nach dem Erwärmen kann sie sich röten und leicht schmerzen. Im nächsten Stadium kommt es schließlich zur Blasenbildung und stärkerem Schaden in tieferen Hautschichten.
Wer sich also aktuell im Freien aufhält und an den Fingern oder Zehen weiße, gefühllose Stellen bemerkt, sollte sich sofort in einen wärmeren Bereich begeben und die betroffenen Stellen behutsam erwärmen mit beispielsweise lauwarmen Wasser.
Was viele für selbstverständlich halten, muss bei extremer Kälte überdacht werden: Nicht jede Schicht ist gleich wärmeeffektiv. Zwar hilft das klassische Zwiebelschalenprinzip, um isolierende Luftschichten zwischen den Kleidungsstücken zu schaffen – doch wichtig ist auch, schwitzende Schichten zu vermeiden, die den Körper eher auskühlen als wärmen.
Hohenauer betonen, dass der größte Wärmeverlust über die Fußsohlen und nicht über den Kopf erfolgt – dieser weit verbreiteter Irrglaube hält sich hartnäckig. Stattdessen sind gut isolierende Schuhe, warme Handschuhe und ein Schutz für Atemwege entscheidend. Ein Schal oder eine Maske vor Mund und Nase kann helfen, die eingeatmete Luft vorzuwärmen und gereizte Schleimhäute zu schützen.