60 % mehr Knallkörper

Warnung vor "Horrornacht": Ärzte fordern Böllerverbot

Kurz vor Silvester tobt in Deutschland ein wilder Streit darüber, ob Feuerwerkskörper für Privatpersonen komplett verboten werden sollte.
Nick Wolfinger
28.12.2025, 21:58
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Kurz vor Beginn des kurzen Zeitfensters, in dem in Deutschland Feuerwerkskörper verkauft werden dürfen (29. bis 31. Dezember), ist in unserem Nachbarland ein heftiger Streit über die Forderung nach einem totalen Verbot der Silvesterknallerei ausgebrochen.

Während die Befürworter eines Verbotes auf zahlreiche Verletzungen, auch bei Kindern, sowie Schäden für Tiere, Natur und sogar das Klima hinweisen, haltet die Pro-Böller-Fraktion dagegen: Schuld an vollen Krankenhäusern rund um Silvester seien nicht Knallkörper sondern der übertriebene Alkoholkonsum, wie der Verband der Pyrotechniker behauptet.

Ärzte für Verbot

Ausgelöst wurde die neue Debatte vom Präsidenten der deutschen Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt. Er fordert ein Verbot von Feuerwerk für Privatleute und verwies dabei auf schwere Verletzungen und volle Notaufnahmen. Auch die Deutsche Umwelthilfe forderte ein Verbot.

Die Innenminister von Bund und Ländern müssten "endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen", sagte Reinhardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Die ungeregelte Knallerei führt immer wieder zu schweren Verletzungen auch bei Unbeteiligten, sie ängstigt viele Menschen, ist schlecht für das Klima und verursacht enormen Müll."

Knalltraumata, Augenverletzungen, Verbrennungen

"Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden", forderte der Mediziner. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Augenverletzungen und Verbrennungen. "Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen."

Pyro-Verband gegen Verbot

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) kritisierte Reinhardts Äußerungen als "sachfern". Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich "praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk", erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl auf AFP-Anfrage. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen "streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert".

Alkohol Schuld an vollen Krankenhäusern

Notaufnahmen seien an Silvester auch "nicht wegen Feuerwerkskörpern voll", fuhr Kröpl fort. Nach Studien seien diese "zum Jahreswechsel insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums überfüllt". Kröpl forderte die Politik auf, bei illegalem Feuerwerk "für den Vollzug der bestehenden Gesetze sorgen". Denn hier sei der Zugang "so leicht wie nie zuvor".

"Horrornacht": 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper

Die Deutsche Umwelthilfe warnte "vor einer beispiellosen Eskalation in der Silvesternacht". Sie verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt wurden und damit über 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, der Jahreswechsel drohe damit "zur Horrornacht von beispiellosem Ausmaß zu werden".

Umwelthilfe: "Millionenfaches Tierleid"

Die Umwelthilfe forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, ein bundesweites Böllerverbot auf den Weg zu bringen. Vor allem Dobrindt trage "die Verantwortung für die schweren Verletzungen, die Angriffe auf Einsatzkräfte, das millionenfache Tierleid und die extremen Feinstaubspitzen" durch Feuerwerk an Silvester, erklärte Resch. Laut Umwelthilfe haben bereits mehr als 800.000 Menschen einen offenen Brief an Dobrindt unterzeichnet, der ein Verbot für privates Feuerwerk fordert.

Der Verkauf von Feuerwerk wie Silvesterraketen ist in Deutschland nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen des Jahres erlaubt. Dieses Jahr startet der Verkauf am Montag. Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) machte die Branche zum Jahreswechsel 2024/2025 mit rund 197 Millionen Euro einen Rekordumsatz. Dieses Jahr könnte dies nochmals überschritten werden.

Hilfsaktion: "Brot statt Böller"

Die evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt rief im Rahmen ihrer traditionellen Aktion "Brot statt Böller" auf, statt Feuerwerk zu kaufen das Geld für Bedürftige zu spenden. "Die Erfahrung zeigt, dass Spenden für die weltweite Projektarbeit nachhaltig wirken und damit länger strahlen als jeder Funke am Himmel", erklärte Präsidentin Dagmar Pruin.

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