Am Bahnsteig warten Menschentrauben ungeduldiger Schulkinder und genervter Arbeitnehmer, während die Anzeige immer wieder von Abfahrt zu Ausfall springt. Für viele Pendler in Niederösterreich ist das Warten auf ausgefallene Züge längst zum mühsamen Alltag geworden. Jetzt bemühen sich die Österreichischen Bundesbahnen um das Zufriedenstellen längst verärgerter Zuggäste.
Verkehrslandesrat und LH-Stellvertreter Udo Landbauer (FP) spricht von einer untragbaren Situation. "Was die ÖBB derzeit Niederösterreichs Pendlern und Schülern zumuten, ist untragbar". Zugausfälle, Störungen und Fahrzeugmangel seien zum Dauerzustand geworden.
"Wenn auf den Anzeigetafeln mehr Ausfälle stehen als Abfahrten, dann ist das kein funktionierender Bahnbetrieb mehr", so Landbauer. Es gebe offensichtlich einen totalen Kontrollverlust, ärgert sich der Landesrat.
Landbauers Angaben zufolge kommt es zuletzt zu über 100 Zugausfällen pro Werktag. Besonders betroffen seien Regionalstrecken ebenso wie zentrale Verbindungen. Im Traisen- und Gölsental (Bezirk Lilienfeld) werde ein Schülerzug statt mit vier Wagen nur noch mit einem kleinen Triebwagen geführt. Wie gesteckt voll dieser Wagen fährt mit Pendlern in Winterjacken, lässt sich leicht ausmalen.
Im Piestingtal falle eine Garnitur Richtung Wiener Neustadt regelmäßig aus. Auf der Nordwestbahn Richtung Retz und Hollabrunn sei die Lage überhaupt völlig außer Kontrolle, wettert Landbauer, während Pendler auf der Südbahn immer wieder mit Verspätungen und Störungen konfrontiert seien.
Der Verkehrsrat betont, seine Kritik richte sich nicht gegen die Beschäftigten. Die Verantwortung liege beim ÖBB-Management, sagt er. Es brauche sofort mehr verfügbare Garnituren und stabile Fahrpläne. "Es gibt hier offensichtlich einen totalen Kontrollverlust. Die ÖBB müssen endlich wieder in die Spur finden", drängt der Landesrat.
Die ÖBB verweisen auf äußere Faktoren. Extreme Wetterverhältnisse hätten Fahrzeuge und Infrastruktur stark belastet, mehrere Züge mussten außer Betrieb genommen werden. Ein Sprecher erklärt: "Es entstehen Kettenreaktionen, die sich entlang der Strecken fortpflanzen." Besonders auf stark frequentierten Abschnitten würden sich Störungen rasch auswirken.
Um die Situation zu stabilisieren, kündigen die ÖBB zusätzliche Garnituren ab Februar an. In der Ostregion sollen mehr Doppelstockzüge eingesetzt werden, weitere neue Fahrzeuge sind für die kommenden Monate geplant. Eine Reduktion des Fahrplans sei nicht vorgesehen – die Lage soll schrittweise verbessert werden.