Sprache und Dialekt

Warum der Wiener Bademeister "Badewaschel" heißt

Im Wiener Freibad ist der "Badewaschel" mehr als nur ein Spitzname – seine Herkunft erzählt von alten Berufen und Sprachwandel.
Heute Life
15.06.2026, 09:44
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Wenn du in Wien im Freibad vom Bademeister redest, merkt jeder sofort, dass du kein Einheimischer bist. Oder du hast Hemmungen, das übliche Wort zu verwenden. Tatsächlich steht im Österreichischen Wörterbuch, dass Badewaschel umgangssprachlich und abwertend ist.

Direkt anreden würdest du wohl niemanden mit "Herr Badewaschel", aber wenn man über das Badeaufsichtsorgan spricht, wird das Wort oft spöttisch verwendet. Hast du dich schon einmal gefragt, woher der Name eigentlich kommt? Falls du jetzt ans Ohrwaschel denkst, bist du auf dem Holzweg. In Wirklichkeit kommt das Wort von "wacheln", also winken oder fächeln. Auch wenn die wenigsten wirklich mit den Ohren wackeln können.

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Im bairisch-österreichischen Sprachraum war ein Waschel ursprünglich ein Wäscher, also jemand, der etwas sauber macht. So gab es unter anderem den "Kuchelwaschel", der das Geschirr gewaschen hat. Der Nachname "Krautwaschl" kommt vermutlich von jemandem, der Gemüse oder Kräuter gereinigt hat. Und dann gab es noch den Badediener oder Badeknecht, kurz Bader genannt. Der hat in den Badestuben für die Körperpflege und Kosmetik der Gäste gesorgt – und sogar medizinische Dienste wie Aderlass oder Schröpfen gemacht.

Im Wienerischen war ein "Waschl" auch ein Strohkranz oder ein grobes Handtuch, mit dem man beim Baden die Haut abgerubbelt hat. Wahrscheinlich kommt daher auch die Bedeutung, dass ein Waschel für einen groben Menschen steht. Und grob ist es auch, wenn du mit einem Drahtschwamm das Geschirr reinigst – das nennt man dann Drahtwaschel.

Es liegt also nahe, dass die Bezeichnung Badewaschel irgendwann auf die heutigen Badaufsichtsorgane übergegangen ist. In Bayern ist das übrigens anders – dort ist ein Baderwaschl ein Friseur, weil dieser Beruf früher teilweise von Badeknechten ausgeübt wurde. Ursprünglich war Badewaschel also gar nicht so abwertend gemeint, wie es heute oft verstanden wird. Erzähl das doch einmal dem Beckenrand-Sheriff!

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