CL-Finale! Darum müsst ihr zu Tottenham halten

Tottenham jubelt über den Aufstieg ins Finale.
Tottenham jubelt über den Aufstieg ins Finale.Bild: imago sportfotodienst
Tottenham gegen Liverpool! Das CL-Finale zieht die Fußballwelt in seinen Bann. Warum Tottenham gewinnen muss.

Zwei Redakteure, zwei völlig konträre Meinungen vor dem großen Champions-League-Finale. Markus Weber ist sich sicher: Der Sieger kann nur FC Liverpool heißen. Hier erklärt ihm Sebastian Klein, warum er sich irrt: Tottenham macht das Rennen.

Bittere Vergangenheit

Was haben sich Tottenham-Fans über die Jahre nicht alles anhören müssen. "Spursy" ist längst ein geläufiges Wort im englischen Sprachgebrauch. Etwas Gutes ist zum Greifen nah und wird am Ende doch noch vergeigt. "Bottler" werden die Nordlondoner dazu passend auch genannt. Was so viel bedeutet, wie etwas sicher Geglaubtes wegzuwerfen.

Nicht zu Unrecht. Allzu oft wurden Vorsprünge nicht über die Zeit gebracht, K.o.-Spiele und Titelrennen verloren. So auch in der jüngeren Vergangenheit. Die Spurs dominierten im Vorjahr gegen Juve in beiden Achtelfinal-Spielen der Champions League. Wenige unachtsame Minuten und einen Doppelpack später sprach alles nur mehr über kaltschnäuzige Turiner, Taktikfuchs Allegri, fehlende Cleverness der Londoner.

2016 ging Leicester City in die Geschichte ein. Wer erinnert sich nicht an die Jubelbilder. Die Sensation. Die unerwarteten Helden Vardy, Mahrez, Kante. Mittendrin Ex-ÖFB-Kapitän Christian Fuchs. Spurs-Fans konnten sich als einzige nicht mit dem Wunder-Team freuen. Sie hatten bis zuletzt begründete Titelhoffnungen. Bis zum Liga-Match gegen Chelsea. Als Tottenham 2:0 führte. Einmal mehr einen Vorsprung nicht über die Zeit brachte. Beim 2:2 die Nerven wegschmiss, eine Härteschlacht ablieferte, bei der gleich mehrere Spieler nur mit Glück einer Roten Karte entgingen. Und die Foxes jubelten im Wohnzimmer von Jamie Vardy, wurden von den "spursy" Spurs vor den TV-Geräten zum Meister gekrönt.

"Spursy"? No more!

Diese Tage gehören der Vergangenheit an. Es war nicht leicht, aber Manager Mauricio Pochettino hat es durch kontinuierliche Arbeit geschafft, dem Klub ein neues Selbstverständnis einzuimpfen. Knappe Spiele werden plötzlich gewonnen. Späte Tore erzielt man auf einmal, anstatt sie zu kassieren.

Magische Momente wie jene in Manchester und Amsterdam sind dem Architekten dieser neuen Spurs zu verdanken. Pochettino macht's möglich: Tottenham hat jetzt das Sieger-Gen. Im Viertelfinale bekam das Manchester City zu spüren. Niemand hatte den Lilywhites den Aufstieg gegen Pep Guardiolas dominantes Star-Ensemble zugetraut. Davor hatten die Spurs schon Dortmunds Horror-Frühjahr mit dem klaren 0:4-Aus im Achtelfinale eingeläutet. Dann kam Ajax. Die zweite Hälfte des Rückspiels ist unvergessen. Die Holländer lagen gesamt mit drei Toren voran. Lucas Moura komplettierte in der 96. (!) Minute seinen lupenreinen Hattrick und schoss die Spurs ins Finale. Selbst die eingefleischtesten Fans hatten längst den Glauben daran verloren. Auch der Autor dieser Zeilen.

Fast in Vergessenheit geraten: Die Spurs hatten schon nach drei Gruppenspielen mit der Europa League geplant. 1:2 zum Auftakt gegen Inter, 2:4 daheim gegen Barca, 2:2 bei PSV. Der Aufstieg war in weite Ferne gerückt. Punktegleich mit Inter stiegen die Spurs schließlich doch noch auf. Die glücklichen und knappen Entscheidungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die CL-Saison der Londoner. Sie zeigen aber auch: Diese Mannschaft ist nicht mehr "spursy".

Der Aufstieg

Die Spurs kamen also mit einer großen Portion Glück ins Finale. Das soll uns jetzt davon überzeugen, dass sie den Titel verdient haben, werden viele fragen. Ein klein wenig Geduld noch, bitte.

Es geht darum, WIE es die Spurs hierher geschafft haben. Nach Madrid. In das Finale der Champions League. Für Fans klingt das immer noch surreal. Der Klub kommt aus dem Mittelmaß. Es ist noch nicht lange her, da spielte man um ein Top-Ten-Finish in der Liga, freute sich über einzelne Siege über Rivalen Arsenal, kam den Gunners in der Tabelle aber niemals nahe. Einmal im Jahrzehnt durften sich die Anhänger über einen FA-Cup oder Ligapokal freuen. Nicht mehr. Die Europa League war das größte der Gefühle.

Erst unter Pochettino wurde alles anders. Aber nicht falsch verstehen. Hier hat sich kein Öl-Scheich eingekauft, um binnen kürzester Zeit alles umzukrempeln und mit teuren Stars die Wende einzuläuten. Die Spurs sind organisch gewachsen. Der notorisch knausrige Boss Daniel Levy öffnet sein Börserl bekanntlich nur, wenn es zuvor durch einen Blockbuster-Deal in den Kassen klingelte (Stichwort: Gareth Bale zu Real).

Pochettino, von Southampton geholt, ist ein Menschenfänger. Er erkennt Talent und fördert es. Die Stars, die Tottenham heute hat, wurden größtenteils erst unter ihm groß. Dele Alli wurde für Peanuts aus dem Unterhaus geholt. Harry Kane entspringt der eigenen Jugend. Lucas Moura, der Halbfinal-Held, wurde von PSG verstoßen, weil man das Geld für den Neymar-Deal brauchte.

Moussa Sissoko hielt sein argentinischer Coach auch die Treue, als ihn selbst die Fans schon als Fehlkauf abgestempelt hatten. Heuer war er unbestritten der wichtigste Spieler des Teams. Sissoko weiß, bei wem er sich zu bedanken hat.

Titel zum Nulltarif

Liverpool löste seine Probleme auf dem Transfermarkt. Ein Fliegenfänger kostete den Reds das Endspiel 2018. 60 Millionen wechselten den Besitzer, Alisson Becker hält nun den Kasten sauber. Bis vor eineinhalb Jahren wurde die Defensive der Reds belächelt. Liverpool machte Virgil Van Dijk mit 85 Millionen Euro zum teuersten Verteidiger der Welt und stabilisierte auf einem Schlag die Hintermannschaft. Im Sommer kamen Fabinho (45 Millionen) und Naby Keita (60 Millionen), die im Zentrum für Kaderdichte sorgen.

Die Transfer-Ausgaben der Spurs in diesem Zeitraum: 0 Cent.

Als einziger Premier-League-Klub wurde Tottenham im vergangenen Sommer nicht auf dem Transfermarkt aktiv, hielt sich auch im Jänner zurück. Die eigenen Stars wurden stattdessen größtenteils mit langfristigen Verträgen gebunden.

Verletzungsteufel trägt Weiß

Dass Tottenham trotzdem im Finale steht und sich über die Liga als Vierter für die Champions League qualifizierte, grenzt an ein Wunder.

Eine schier beispiellose Verletzungsmisere suchte die Nordlondoner über die gesamte Spielzeit hinweg heim. So gut wie jeder Kaderspieler fehlte mindestens ein Mal verletzt. Führungsspieler wie Harry Kane, Dele Alli, Jan Vertonghen und Co. fielen sogar mehrfach aus.

Zur Erinnerung: Der Großteil des Kaders hatte eine eingeschränkte Vorbereitung. Unglaubliche neun Spieler waren bei der WM in Russland bis zum Finaltag noch aktiv. Son Heung-min fehlte wochenlang, um durch den Sieg mit Korea bei den Asian Games dem Wehrdienst in seiner Heimat zu entgehen.

Fazit

Die Spurs wären ein erfrischendes, neues Siegergesicht der Champions League. Nach drei Real-Titeln in Folge ist die Zeit reif für ein solches. Das garnieren Pochettino und seine Mannschaft mit aufregendem Angriffs-Fußball, schnellen Kombinationen und Angriffen, sympathischen Protagonisten. Es wäre ein Sieg der Fußball-Romantik.

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