Gesundheit

Was der Terroranschlag mit unserer Psyche macht

Der Terroranschlag von Montagabend verunsichert und macht Angst. "Heute.at" hat mit dem Psychologen Dr. Cornel Binder-Krieglstein darüber gesprochen.
Christine Scharfetter
04.11.2020, 09:02

Wien befindet sich nach dem Terroranschlag von Montagabend im Ausnahmezustand. Angst und Verunsicherung stecken noch immer tief in den Knochen der Bevölkerung. Wir haben mit dem Psychologen und Psychotherapeuten Dr. Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP) darüber gesprochen, wie sehr solche Ereignisse unsere Psyche belasten und was wir dagegen unternehmen können oder sogar sollen.

Was macht Terror mit uns?

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Dr. Cornel Binder-Krieglstein: Der Terror aktiviert unsere Grundangst, die wir alle in uns tragen, und zwar bezüglich dem Ausgeliefertsein, schutzlos und planlos einem Erpresser ausgeliefert zu sein. Ein Augenblick, in dem unser Bedürfnis nach subjektiver Sicherheit bedroht wird.

Was lösen derartige Ereignisse in uns aus?

Eine Grundreaktion, die aus unserer geschichtlichen Entwicklung kommt. Ein Beispiel wäre der Buschmann, der plötzlich dem Säbelzahntiger gegenüber steht und entscheiden muss, ob er kämpft oder die Flucht ergreift. Genauso verhält es sich bei einem Erpresser, dem gegenüber die Flucht das Gescheitere ist, man versucht keinen Widerstand zu leisten, zieht sich zurück und sucht Deckung. Wir reihen solche Ereignisse als Belastung ein und viele Menschen entwickeln dadurch eine akute Belastungsreaktion, die sich nach einigen Tagen jedoch von selbst legt.

Kann eine solche Belastungsreaktion auch langfristige Folgen mit sich bringen?

Halten die Symptome länger als vier Wochen an, obwohl das belastende Ereignis bereits vorbei ist, spricht man von einer posttraumatischen Belastungsreaktion. Sollte jemand eine solche Veränderung feststellen, dann ist es ratsam einen klinischen Psychologen aufzusuchen.

Betrifft dies nur Opfer und Zeugen oder auch jene, die das Geschehen im Fernsehen mitverfolgen?

Hier wird zwischen primär und sekundär Betroffenen unterschieden. Je weiter man vom Geschehen entfernt ist, desto unwahrscheinlicher ist eine akute Belastungsreaktion, ausschließen kann man dies jedoch nicht.

Wie kann man selbst einer akuten Belastungsreaktion entgegenwirken?

BÖP Helpline

Für alle, die sich aufgrund der aktuellen Ereignisse verunsichert oder belastet fühlen bietet der Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen über die kostenlose Helpline 01/504 8000 eine anonyme Telefonberatung an.

Mehrere Tote bei Anschlag in Wien

In sich hineinhören, was einem intuitiv gut tun würde und alte Bewältigungsstrategien wieder aktivieren, das kann Sport sein, Zeit mit der Familie, die Natur oder auch ein Vollbad. Auch das Erlebte mit jemandem zu teilen, darüber zu sprechen oder wo anrufen, hilft immer.