Wenn im Obertrumer See jemand in Not gerät, muss es schnell gehen. Mario Kaltenegger und seine Kollegen von der Wasserrettung Flachgau Nord sind während der Badesaison deshalb an den Wochenenden im Strandbad Seeham im Einsatz. Vom Beobachtungsturm aus behalten sie den See im Auge. Eine Entwicklung bereitet ihm allerdings besonders große Sorgen.
"Die größte Herausforderung sind für uns die Gaffer", erklärt Kaltenegger gegenüber "Salzburg24". Nach seiner Erfahrung hat sich das Problem mit der Verbreitung von Smartphones deutlich verschärft.
Welche Folgen das haben kann, zeigte Anfang August ein Einsatz am Wallersee – "Heute" berichtete. In Seekirchen versuchten Einsatzkräfte, eine 85-Jährige zu retten. Währenddessen sollen Anwesende ihre Handys hervorgeholt und das Geschehen beobachtet haben. Die Situation ging so weit, dass ein Notarzthubschrauber zunächst nicht landen konnte, weil Badegäste den notwendigen Platz nicht freimachten.
Für Kaltenegger ist ein derartiges Verhalten nur schwer zu begreifen. Bei solchen Einsätzen gehe es schließlich um Minuten und mitunter um Leben und Tod.
Ein Erlebnis vor rund drei Jahren hat sich besonders bei ihm eingebrannt. Nur wenige Meter vom heutigen Standort des Beobachtungsturms entfernt kam damals ein Familienvater ums Leben. Während die Retter im Einsatz waren, hätten zahlreiche Badegäste kaum reagiert.
"Alle Badegäste sind einfach liegen geblieben und haben den Tag weiter genossen", erinnert sich Kaltenegger im Gespräch mit "Salzburg24". Gegen Schaulustige können die Helfer nur begrenzt vorgehen. Wenn es die Situation zulässt, versuchen sie, Patienten vor neugierigen Blicken abzuschirmen und möglichst ungestört zu arbeiten.
Falsch abgestellte Autos blockieren oft Zufahrten zum Wasser, die Helfer verlieren wertvolle Zeit. Die Wasserrettung appelliert deshalb an Autofahrer und Badegäste, Rettungswege unbedingt freizuhalten und Einsatzkräften sofort Platz zu machen.
Rund 700 aktive Wasserretter stehen in Salzburg im Einsatz und leisten pro Jahr etwa 70.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Was ihnen im Ernstfall am meisten hilft, kostet nichts: Platz machen, Abstand halten und das Handy eingesteckt lassen.