Alois Zwinggi, der neue Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), sieht die europäischen Staaten trotz aktueller Krisen und Herausforderungen in einer starken Position. Seiner Ansicht nach verfügt Europa über das notwendige Wissen, hervorragend ausgebildete Fachkräfte und eine solide industrielle Basis.
Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin traf Zwinggi unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und zahlreiche Unternehmenschefs. Dabei unterstrich er, dass Europa seine Stärken stärker nutzen müsse, um wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu gelangen.
Gegenüber dem "Handelsblatt" betonte Zwinggi: "Es gibt nichts, was Europa nicht kann.“ Gleichzeitig kritisierte er, dass in Europa oft der Mut zum Risiko fehle und der Umgang mit Rückschlägen schwieriger sei als etwa in den USA.
Im Interview äußerte sich Zwinggi auch zum Aus des europäischen Kampfjet-Projekts FCAS. Er sieht die Gründe vor allem in bürokratischen Hürden und mangelnder Abstimmung zwischen den beteiligten Staaten. "Kooperation funktioniere nur, wenn die strategischen Ziele ausreichend übereinstimmen", so Zwinggi.
Ein wesentlicher Hebel für mehr wirtschaftlichen Erfolg sei laut Zwinggi eine Reform der Kapitalmärkte. Besonders in den Bereichen Energie und Künstliche Intelligenz sieht er große Chancen für Europa, sich international zu behaupten.
Die aktuellen geopolitischen Krisen, wie der Iran-Krieg, wirken laut Zwinggi als zusätzlicher Stressfaktor für die europäischen Volkswirtschaften. Neben Öl und Energie könnten auch Düngemittel und damit die Nahrungsmittelversorgung betroffen sein, was die Krise weiter verschärfen könnte.
Trotz dieser Unsicherheiten plädiert Zwinggi dafür, die Globalisierung nicht abzuschreiben. Vielmehr müsse sie neu gedacht werden, um Europa widerstandsfähiger und strategisch unabhängiger zu machen.
Mit Blick auf mögliche gesellschaftliche Spannungen durch Inflation und schwaches Wachstum fordert Zwinggi von Unternehmen ein stärkeres Bekenntnis zu sozialer Verantwortung. Die Rolle der Wirtschaft gehe über reine Profitinteressen hinaus – besonders in Krisenzeiten.
Für die kommenden Jahre kündigte Zwinggi an, dass das WEF den Austausch zwischen Staaten, Unternehmen und Wissenschaft weiter fördern werde. Besonders Asien wolle man künftig stärker in die Diskussionen einbinden.