Für Anime-Fans ist seine markante, tiefe Stimme unverwechselbar: Kenjiro Tsuda spricht im japanischen Original unter anderem Kento Nanami aus "Jujutsu Kaisen" und Seto Kaiba aus "Yu-Gi-Oh!".
Doch genau diese Stimme wurde nun zum Mittelpunkt eines Rechtsstreits. Auf TikTok veröffentlichte ein anonymer Account insgesamt 188 Videos, deren Sprecher laut Tsuda verdächtig nach ihm klang.
Die Clips handelten von urbanen Legenden, paranormalen Phänomenen und kuriosen Fakten. Tsuda war überzeugt, dass seine Stimme mithilfe künstlicher Intelligenz unerlaubt nachgeahmt wurde. Deshalb zog er gegen den Betreiber von TikTok vor Gericht.
Am 30. September verkündete das Bezirksgericht Tokio seine Entscheidung. Für Tsuda gab es zunächst eine Enttäuschung: Seine Forderung, die Videos entfernen zu lassen, wurde abgewiesen.
Der Grund war allerdings ungewöhnlich. Der betreffende Account und die Videos waren bereits gelöscht worden. Eine weitere Entfernung konnte das Gericht deshalb nicht anordnen.
Trotzdem trafen die Richter eine für die Unterhaltungsbranche bedeutende Feststellung: Auch die menschliche Stimme kann rechtlich geschützt sein – ähnlich wie das eigene Gesicht.
Wird die Stimme eines Künstlers ohne Erlaubnis gezielt für kommerzielle Zwecke ausgenutzt, kann das dessen Rechte verletzen. Ob das bei den konkreten Videos tatsächlich passiert war, entschied das Gericht allerdings nicht.
In Japan gilt die Entscheidung als wichtiger Schritt im Kampf gegen unerlaubte KI-Stimmenkopien. Gerade für Synchronsprecher, deren Stimme häufig ihr wichtigstes berufliches Erkennungsmerkmal ist, könnte das Urteil künftig Bedeutung haben.
Für Tsuda endet der Rechtsstreit damit zwar ohne die geforderte Löschanordnung. Doch sein Fall könnte anderen Künstlern helfen, sich gegen die unerlaubte kommerzielle Nutzung ihrer Stimmen zu wehren.