Motoren, Hupen, Dauerstress – jetzt schlagen die Anrainer zurück. Am Nachmittag wird der Wiener Gürtel zur Bühne eines ungewöhnlichen Protests: Beim "1. Gürtel-Lärmschutzlauf" rennen dutzende Teilnehmer auf einer 550 Meter langen Strecke zwischen Säulengasse und Sobieskigasse gegen den täglichen Verkehrslärm an.
Zwischen 15.15 und 15.45 Uhr steht der Verkehr am Gürtel still – die Strecke zwischen Säulengasse und Sobieskigasse wird für den Protestlauf der Anrainer gesperrt. Ähnliche Aktionen sind laut Organisatoren künftig auch an weiteren Abschnitten des Gürtels geplant.
Organisiert wird die Aktion von der Initiative "Gürtel Liebe", die mit dem Lauf auf die extreme Belastung in dem dicht bewohnten Gebiet aufmerksam machen will. Rund 80.000 Menschen leben entlang des Gürtels – täglich donnern dort fast ebenso viele Autos vorbei. Besonders nachts ist die Lärmbelastung enorm.
Die Forderung der Initiative ist klar: Tempo 30 auf dem gesamten Gürtel. Laut Berechnungen würde das den Lärm um acht Dezibel senken – für die Anrainer klingt das nach 75 Prozent weniger Krach.
"Für uns wäre das eine enorme Steigerung an Lebensqualität. Und wir könnten wieder ohne Ohrenstöpsel lüften", sagt Clemens Schneider, Anrainer und Mitinitiator der Aktion. Verkehrsstudien zeigen, dass sich die Fahrzeiten dadurch kaum verlängern würden – die Durchschnittsgeschwindigkeit in Wien liegt ohnehin bei rund 25 km/h.
Mit dem Lauf wollen die Teilnehmer ein Zeichen setzen – gegen Lärm, für Lebensqualität. Unterstützt wird die Aktion von Umweltinitiativen und Nachbarschaftsvereinen. Ob die Stadt auf die Forderung reagiert, bleibt offen.