Taxi-Betrug in Wien

"Wegen Ölkrise" – Taxler verlangt dreifachen Fahrpreis

Hermine H. (78) fuhr nach einer Augen-OP mit dem Taxi nach Hause. Der Fahrer verrechnete aufgrund des Iran-Kriegs fast den dreifachen Fahrpreis!
Wien Heute
30.03.2026, 05:30
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Hermine H. (Name geändert) hatte am 23. März wegen Grauen Stars eine Augen-OP im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt. Begleitet von ihrem Lebensgefährten (69) stieg die Pensionistin gegen 12.30 Uhr gleich beim Eingang des Spitals in ein rotes Taxi.

"Ich habe nichts gesehen und wollte einfach nur nach Hause. Also bin ich gleich in das erste Taxi am Standplatz eingestiegen", erzählt die 78-Jährige. Der Fahrer war gesprächig: "Wir haben sehr nett geplaudert."

Grundpreis angeblich wegen Krieg höher

Gleich zu Beginn kam das Gespräch auf den Fahrpreis: "Der Fahrer erklärte mir, dass aufgrund der 'Öl-Krise' der Grundpreis an diesem Tag von 3,80 Euro auf 9,80 Euro erhöht wurde. Ich habe mir nichts dabei gedacht, schließlich weiß ja jeder, dass die Spritpreise so in die Höhe gestiegen sind."

Die rund elf Kilometer lange Fahrt nach Liesing dauerte so 25 Minuten, die Strecke verlief – aufgrund eines Staus auf der Tangente – über Karlsplatz, Wienzeile, Ruckergasse und schließlich Breitenfurter Straße: "Die Fahrt war wirklich ok. Durch das Gespräch mit ihm habe ich auch Vertrauen gewonnen", berichtet Hermine H.

Laut Taxi-Innung ein Einzelfall

Doch am Ziel angekommen, konnte es die Wienerin kaum glauben: "Der Fahrer hat für die Strecke 79 Euro verlangt. Ich fahre öfters mit dem Taxi und zahle normalerweise so um die 30 bis 35 Euro. Ich war so perplex und noch immer angeschlagen von der OP also habe ich bezahlt. Ich weiß, dass hätte ich nicht tun sollen, aber ich war froh, zu Hause zu sein." Auch eine Rechnung erhielt die 78-Jährige nicht.

"Heute" fragte bei der Taxi-Innung nach, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt: "Das Verhalten des Lenkers ist inakzeptabel, und der Taxi-Innung sind keine weiteren ähnlichen Fälle bekannt. Fahrgästen ist gemäß den Fahrgastrechten auch stets eine Rechnung auszustellen. Über diese beziehungsweise das Kennzeichen ist ein Lenker für die Taxi-Innung identifizierbar", wird erklärt.

Die sieben relevantesten Fahrgastrechte

● Am Armaturenbrett stehen der Namen des Unternehmens, die Adresse, das Kfz-Kennzeichen und der Taxilenkerausweis

● Bei der Bezahlung gibt es ohne Aufforderung eine Rechnung

● Fahrgäste können immer mit Bankomatkarte zahlen

● Es gilt die Beförderungspflicht: Das Taxi muss den Fahrgast ans Ziel bringen, außer dieser raucht im Fahrzeug oder wirkt aggressiv oder gefährlich

● Das Taxi muss immer den schnellsten Weg nehmen. Fahrgäste können verlangen, dass ein Navigationsgerät verwendet wird

● Der Taxifahrer muss beim Ein- und Ausladen von Gepäck sowie – falls nötig – beim Ein- und Aussteigen helfen

● Die Sitzplätze, der Fußraum und der Kofferraum des Fahrzeugs müssen frei bleiben

Taxis sind an fixen Tarif gebunden

Zudem wird versichert, dass der Grundpreis nicht erhöht worden ist: "Dieser wird im Taxi-Tarif der Stadt Wien festgelegt und beträgt werktags von 6 bis 23 Uhr 3,80 Euro, an Sonn- und Feiertagen bzw. von 23 bis 6 Uhr 4,30 Euro." Für die Wegstrecke darf der Taxifahrer für die ersten fünf Kilometer 0,95 Euro pro Kilometer, für jeden weiteren Kilometer 0,58 Euro verlangen. Hinzu kommt der Zeittarif mit 0,58 Euro pro Minute. Zusätzlich gibt es ein Preisband von +/- 20 Prozent.

Weiters betont die Taxi-Innung, dass die "derzeit gestiegenen Treibstoffpreise selbstverständlich negative Auswirkungen auf die Ertragslage der Taxi-Unternehmen haben, die an den Taxi-Tarif gebunden sind." Daher fordert auch die Taxi-Innung weitere Maßnahmen, um für Entlastung zu sorgen – etwa durch die Aussetzung beziehungsweise Senkung der CO2-Bepreisung und der Mineralölsteuer.

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