Nach monatelangen Protesten und heftigen politischen Debatten kehrt rund um Googles Milliardenprojekt in Kronstorf keine Ruhe ein. Zuletzt besetzten Aktivisten sogar die Baustelle. Während der Konzern bereits an dem riesigen Rechenzentrum baut, kämpfen Kritiker weiter für eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).
Nun liefert die Bürgerinitiative neue Vorwürfe – und wendet sich damit direkt an Umweltanwalt Martin Donat und Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne). Bei der Prüfung der Genehmigungsunterlagen sind laut Initiative mehrere technische Ungereimtheiten bei den geplanten Notstromaggregaten aufgefallen.
Die offenen Fragen betreffen unter anderem Betriebszeiten, Kaltstarts, Verbrauchswerte und Leistungsangaben. Auch bei den Emissionen und der Abgasnachbehandlung ortet die Initiative Widersprüche. Für sie steht fest: Dabei geht es nicht bloß um technische Kleinigkeiten.
Die Ungereimtheiten könnten laut Initiative wichtige Grundlagen der bisherigen Umweltprüfung ins Wanken bringen. Deshalb sollen Experten die Angaben noch einmal fachlich und rechtlich unter die Lupe nehmen. Auch eine Wiederaufnahme der bisherigen Beurteilung steht für die Initiative im Raum.
"Wir erwarten keine Vorentscheidung und keine politische Bewertung", betont Initiativen-Sprecher Harald Müllner. Die Behörden sollten die tatsächlichen Umweltwirkungen "auf Grundlage vollständiger, aktueller und konsistenter Daten" beurteilen.
Seine klare Forderung: "Wenn neue technische Informationen wesentliche Annahmen früherer Bewertungen in Frage stellen, müssen diese aus unserer Sicht auch fachlich und rechtlich überprüft werden." Kaineder hatte bereits angekündigt, die UVP-Pflicht für das Milliardenprojekt noch einmal prüfen zu lassen.
Während die Gegner eine neue Prüfung fordern, treibt Google das Projekt weiter voran. Am Montag fand die Bau- und Gewerberechtsverhandlung für das geplante Bürogebäude statt. Der Bau soll laut Unternehmen als Vollholzkonstruktion entstehen und die Abwärme des Rechenzentrums zum Heizen nutzen. Außerdem plant Google ein Gründach mit Photovoltaikanlage, eine halb unterirdische Tiefgarage und eine parkähnliche Gestaltung des Areals.
Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) wertete die Verhandlung als nächsten wichtigen Umsetzungsschritt. "Damit nimmt eine Milliardeninvestition Gestalt an, die weit über Kronstorf hinaus eine zentrale Bedeutung für den Wirtschafts-, Technologie- und Digitalstandort Oberösterreich hat", betont er.