Auf dem Papier sieht die Lage beinahe harmlos aus: 67 Insolvenzen weist der KSV heuer im gemeinsamen Bereich Gastronomie und Beherbergung aus. Bei reinen Gastronomiebetrieben seien laut der jüngsten Ausschusssitzung der Wirtschaftskammer sogar nur vier Pleiten erfasst, erklärt der stv. OÖ-Wirtesprecher Thomas Mayr-Stockinger gegenüber "Heute".
Doch diese Zahlen würden nicht zeigen, wie viele Wirtshäuser tatsächlich für immer schließen: "Das stimmt doch nicht. Jeder spürt, dass die Wirte im Ort zusperren", kritisiert er. Der Grund: Viele Wirtshäuser machen dicht, ohne je insolvent zu werden. Die Betreiber gehen nach jahrzehntelanger Arbeit in Pension, die Kinder wollen den Familienbetrieb nicht mehr übernehmen.
Andere Wirte schließen ihr Lokal zunächst ebenfalls ohne Konkurs, nehmen danach eine neue Arbeit an und kämpfen noch jahrelang mit den alten Schulden. Können sie diese irgendwann nicht mehr bezahlen, folgt ein Privatkonkurs. Dass die finanziellen Probleme ursprünglich vom Wirtshaus stammen, ist in der Gastro-Statistik dann nicht mehr sichtbar.
Die Belastung sei enorm: Wer fünf Tage geöffnet habe, brauche laut Mayr-Stockinger oft einen weiteren Tag für den Einkauf und einen für die Bürokratie. Viele Junge wollten deshalb nicht mehr sieben Tage pro Woche für einen Betrieb leben.
Gleichzeitig würden zahlreiche ältere Wirte bis 70 oder 75 arbeiten – unter anderem "weil sie sich eine Betriebsschließung nicht leisten können". Dazu komme der Kostendruck: In seinem eigenen Betrieb würden Löhne und Steuern rund 65 Prozent der Ausgaben ausmachen, so der Sprecher.
Höhere Preise ließen sich besonders am Land kaum durchsetzen. Gleichzeitig seien 90 Prozent der reinen Gastronomiebetriebe Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, 80 Prozent hätten sogar weniger als fünf. Sparen könnten viele daher nur, indem sie selbst noch mehr arbeiten.
Schließt ein traditionelles Wirtshaus, sperrt es laut Mayr-Stockinger nur selten wieder auf. Selbst wenn die Gesamtzahl der Gastronomiebetriebe ähnlich bleibt, ersetzt oft ein Imbiss oder eine Kette das frühere Dorfwirtshaus. Damit verschwinden auch Aufträge für Metzger, Bäcker und andere Lieferanten aus der Umgebung.
Eine rasche Entspannung erwartet der Branchenvertreter nicht. "Es wird linear so weitergehen", prognostiziert Mayr-Stockinger mit Blick auf die Pleiten. Besonders bitter: Viele hielten ihre Lokale trotz aller Schwierigkeiten aus Leidenschaft offen. "Die meisten Gastronomen machen den Job sehr, sehr gerne für die Gäste – und stellen lieber den Profit hintan."