Angesichts der neuen Erkenntnisse möchten die Forscher nun untersuchen, wie sich unterschiedliche Gravitationsniveaus auf die Fortpflanzung auswirken. Dabei möchten sie vor allem analysieren, ob die Auswirkungen ab einer bestimmten Schwerkraft auftreten oder schrittweise zunehmen.
In den kommenden Jahrzehnten planen mehrere Staaten, dauerhafte Siedlungen im All zu errichten. Menschen könnten dort nicht nur arbeiten, sondern langfristig leben – und möglicherweise auch Kinder bekommen.
Schon 2023 forderten Experten, dass sich die Raumfahrt intensiver mit Themen wie Sex, Schwangerschaft und Fortpflanzung im Weltraum beschäftigen müsse.
Ein Forschungsteam der University of Adelaide (Australien) hat nun untersucht, wie sich Spermien in Schwerelosigkeit verhalten. Dafür simulierten sie Mikrogravitation mit einem speziellen Gerät. Die Spermien mussten dabei ein Labyrinth durchqueren – ähnlich dem weiblichen Fortpflanzungssystem.
Das Ergebnis: Deutlich weniger Spermien fanden ihr Ziel als unter normalen Bedingungen auf der Erde.
Überraschend: Die Spermien konnten sich zwar weiterhin normal bewegen – doch sie verloren in der Schwerelosigkeit ihre Orientierung.
Das bedeutet: Nicht die Geschwindigkeit ist das Problem, sondern die "Navigation" im Körper
Im nächsten Schritt gaben die Forscher ein wichtiges Hormon ins Spiel: Progesteron.
Es zeigte sich, dass die Spermien ihr Ziel trotz Schwerelosigkeit deutlich besser fanden. Das deutet darauf hin, dass chemische Signale helfen könnten, die Orientierung zu verbessern.
Auch die Befruchtungsrate wurde untersucht – mit klaren Ergebnissen: Unter Weltraumbedingungen sank sie um etwa 30 Prozent.
Ziel ist es, besser zu verstehen, ob Fortpflanzung im All möglich ist – und unter welchen Bedingungen. Ob und wie Leben außerhalb unseres Planeten entstehen kann, bleibt eine der spannendsten Fragen der Zukunft. Doch die aktuelle Forschung zeigt: Die Fortpflanzung im All ist deutlich komplizierter als auf der Erde.