Wien trotzt dem österreichweiten Trend am Arbeitsmarkt. Während in den meisten Bundesländern die Zahl der Arbeitssuchenden weiter ansteigt, entwickelt sich die Bundeshauptstadt Wien in die entgegengesetzte Richtung. Die Beschäftigung wächst, gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen auf Jobsuche. Und das heuer bereits seit mehreren Monaten.
Besonders auffällig: Im Oktober ging die Zahl der Arbeitssuchenden in Wien im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent zurück. Damit verzeichnete die Bundeshauptstadt bereits den neunten Monat in Folge einen Rückgang. Neben Wien konnte nur Kärnten mit einem Minus von 1,1 Prozent eine ähnliche Entwicklung vorweisen. In allen anderen Bundesländern stieg die Zahl der Arbeitssuchenden.
Auch bei der Beschäftigung hebt sich Wien vom Rest Österreichs ab. Seit Jahresbeginn wächst die Zahl der Beschäftigten in Wien laut AMS-Statistik durchgehend deutlich stärker als im österreichischen Durchschnitt. Noch bemerkenswerter ist der langfristige Vergleich: Seit 67 Monaten in Folge verzeichnet Wien ein Beschäftigungsplus. Der letzte Rückgang wurde im Februar 2021 registriert, als die Auswirkungen des dritten harten Corona-Lockdowns den Arbeitsmarkt belasteten.
„In Wien kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz – und das mit Erfolg!“Bürgermeister Michael Ludwig (SP) zu den neuen Beschäftigungszahlen
Österreichweit gab es hingegen immer wieder Rückschläge. Zuletzt ging die Beschäftigung im Jänner 2026 zurück. Davor wurden bereits im Mai 2025 (-0,1 Prozent), November 2024 (-0,1 Prozent), August 2024 (-0,2 Prozent) und März 2024 (-0,1 Prozent) Rückgänge verzeichnet.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sieht in den aktuellen Zahlen eine Bestätigung des Wiener Weges. "In Wien kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz – und das mit Erfolg! Wien zeigt, dass es auch in fordernden Zeiten möglich ist, Beschäftigung zu steigern und die Zahl der Arbeitssuchenden deutlich zu senken", so Ludwig.
Für den Stadtchef ist die positive Entwicklung aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Vielmehr will er weitere Maßnahmen setzen, um den Arbeitsmarkt zu stärken. "Deshalb müssen wir weiter in gezielte Beschäftigungsprogramme investieren – mit dem Waff haben wir ein einzigartiges Instrument dafür geschaffen. Gleichzeitig müssen wir uns genau ansehen, was wir noch tun können, um das Wirtschaftswachstum weiter anzukurbeln. Dazu gehören vor allem Investitionen in Zukunftsbranchen. Bei der kommenden Landeshauptleute-Konferenz werden wir genau diese Themen gemeinsam besprechen."
Hinter der Entwicklung stehen laut Stadt Wien mehrere gezielte Beschäftigungsprogramme. Dazu zählen etwa die Frauenstiftung, die Joboffensive für Jugendliche und die Joboffensive 50+. Diese Initiativen sollen Menschen unterstützen, die es am Arbeitsmarkt besonders schwer haben. Auch das Jugendcollege, das sich unter anderem um die Ausbildung und Integration junger Geflüchteter kümmert, soll einen wichtigen Beitrag leisten.
Eine weitere Besonderheit: Durch das stetige Bevölkerungswachstum stiegen in Wien in der Vergangenheit üblicherweise sowohl die Beschäftigung als auch die Zahl der Arbeitssuchenden. Nun zeigt sich ein anderes Bild. Mehr Menschen finden Beschäftigung, während gleichzeitig weniger Menschen auf Jobsuche sind.
Als weiteren Grund für die Entwicklung nennt die Stadt die wirtschaftliche Stärke Wiens. Die Bundeshauptstadt habe als einziges Bundesland durchgehend Wirtschaftswachstum erzielt und damit die Rezession abgewehrt. Für Ludwig steht deshalb fest, dass Wien auch künftig in neue Wachstumsbereiche investieren muss.
Die Wiener Zahlen zeigen jedenfalls einen bemerkenswerten Trend: Während der österreichische Arbeitsmarkt unter Druck steht, wächst die Beschäftigung in der Bundeshauptstadt weiter. Und erstmals seit längerer Zeit geht dieses Wachstum mit einem anhaltenden Rückgang bei den Arbeitssuchenden einher.