Vier Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zieht Oberösterreich Bilanz: Über 15.000 Menschen aus dem Land wurden seit 2022 im Land versorgt. Mit Stichtag 16. Februar waren 8.715 Ukrainer gemeldet, rund 1.855 befinden sich noch in der Grundversorgung – etwa die Hälfte davon Kinder. Über 80 Prozent stehen mittlerweile auf eigenen Beinen. Einer von ihnen ist Artur Kuzenko – und seine Geschichte geht unter die Haut.
Als im Februar 2022 das Telefon läutete, war für den 35-Jährigen nichts mehr wie zuvor: "Meine Mutter rief an und sagte: Artur, der Krieg hat begonnen." Kuzenko zögerte nicht lange. Er stieg in seinen alten VW und meldete sich freiwillig für Evakuierungsfahrten.
Was er in Kiew am Hauptbahnhof sah, "werde ich für den Rest meines Lebens nicht vergessen", erzählt er. Weinende Männer, die ihre Frauen und Kinder in Züge setzten, Menschen, die schrien, drängten, hofften. "Für mich gibt es keine Rechtfertigung für Krieg. Krieg bedeutet immer Tod, Zerstörung und Leid."
Später brachte Kuzenko Medikamente wie Insulin in abgeschnittene Regionen. Als er sich schließlich beim Militär melden wollte, bekam er aus gesundheitlichen Gründen eine Absage. 2023 entschied er sich, mit seiner Mutter und zwei weiteren Angehörigen nach Österreich zu kommen – kein fremdes Land für ihn. Schon vor dem Krieg war er immer wieder als Erntehelfer nach OÖ gereist.
Nach seiner Ankunft im ehemaligen Postverteilerzentrum in Linz fand er rasch Arbeit als Essenszusteller, seine Mutter wurde Küchenhilfe. "Ich wollte nicht von Sozialleistungen leben", sagt Kuzenko ganz klar. "Das wäre mir unangenehm gewesen." Parallel begann er, anderen Vertriebenen zu helfen – als Dolmetscher, als Begleiter zu Ärzten, als Erklärer im Behördendschungel.
Aus dem Ehrenamt wurde ein Job beim Roten Kreuz. Heute arbeitet er 20 Stunden fix, zusätzlich weiter im Lieferdienst. Sein Deutsch brachte er von A1 auf C1. Und er gibt seine Erfahrung weiter: Der Ukrainer erklärt Neuankömmlingen, wie sie sich das neue Leben in Linz aufbauen können: "Wenn man hier bleiben will, muss man sich bemühen – Arbeit finden, Deutsch lernen, zeigen, dass man integriert ist."
„Ich sehe keine Zukunft in der Ukraine.“Artur Kuzenko (35)kam wegen des Krieges nach OÖ
Und wenn morgen Frieden wäre? Kuzenko muss nicht überlegen. "Ich werde in Österreich bleiben. Hier kenne ich das System, die Mentalität, die Gesetze. In der Ukraine müsste ich wieder bei null anfangen." Seine Entscheidung ist klar – auch nach dem Krieg: "Ich sehe keine Zukunft in der Ukraine."
Für Integrations-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) ist Kuzenko ein "Paradefall". Oberösterreich setze auf "Hilfe zur Selbsthilfe": "Deutsch lernen, arbeiten und unsere Regeln respektieren sind zentrale Voraussetzungen für ein eigenständiges Leben", so Dörfel. Dass mehr als 80 Prozent der Ukrainer im Land selbsterhaltungsfähig sind, zeige: "Wer leistungsbereit ist und sich integriert, kommt in Oberösterreich weiter."