Einmal ist es mild, dann wieder eisig kalt, zwischendurch fühlt es sich fast wie Frühling an, bevor es wieder frostig wird. Diese ständigen Wechsel machen uns nicht nur bei der Kleiderwahl das Leben schwer. Auch unser Gehirn gerät ordentlich unter Druck. Das kann sogar richtig gefährlich werden.
Laut einer Studie des Universitätsklinikums Jena erhöhen abrupte Wetterumschwünge das Risiko für Hirninfarkte massiv. Untersucht wurden mehr als 1.600 Patientinnen und Patienten. Das Ergebnis: Plötzliche Wetterwechsel bringen ein deutlich höheres Risiko für sogenannte ischämische Schlaganfälle mit sich.
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet, wodurch Gehirnzellen aufgrund von Sauerstoffmangel innerhalb von Minuten absterben. Es wird zwischen zwei Arten unterschieden: dem ischämischen und dem hämorrhagischen Schlaganfall. Ersterer geht auf eine Minderdurchblutung des Gehirns zurück, letzterer auf eine Hirnblutung.
Das Team rund um den Neurologen Florian Rakers hat Wetterdaten mit den Krankenakten der Betroffenen verglichen. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen drei wichtigen Einflussfaktoren.
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass schnelle Abfälle der Umgebungstemperatur sowie schnelle Änderungen der relativen Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks das Schlaganfallrisiko in gemäßigten Klimazonen erhöhen", heißt es in der Studie. Besonders nach einem Temperatursturz bleibt das Risiko zwei Tage lang erhöht. Wer Vorerkrankungen wie Diabetes oder verkalkte Arterien (Arteriosklerose) hat, ist besonders gefährdet.
Fällt die Temperatur um etwa drei Grad, steigt das Schlaganfallrisiko um elf Prozent. "Bei Risikopatienten kann sich die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls bei Wetterwechsel teilweise vervierfachen", erklärte Rakers damals.
Wenn es draußen kalt wird, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das schützt den Körper vor dem Auskühlen. Bilden sich Blutgerinnsel im Herzen und werden ins Gehirn gespült, können die verengten Gefäße leichter verstopft werden – und das führt im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall.
Die Forscher empfehlen vor allem gefährdeten Personen, die Warnzeichen zu kennen: einseitiges Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen, Probleme beim Sprechen oder Verstehen, Schwindel oder plötzlich auftretende Kopfschmerzen. "Leiden sie nach starken Temperaturstürzen unter derartigen Symptomen, können sie einen Schlaganfall frühzeitig erkennen und bei Bedarf sofort einen Notarzt verständigen", erklärt Co-Autor Matthias Schwab.
Ob du selbst gefährdet bist, kannst du mit einem einfachen Test herausfinden. Der BE-FAST-Test hilft dir, mögliche Symptome richtig zu deuten.
Laut einer Studie aus den USA erhöht übrigens auch die Zeitumstellung das Risiko für Schlaganfälle.