Heftige Vorwürfe

"Wie Terroristen" – Ukraine-Reporter in Wien verhaftet

Nach seiner Festnahme in Wien erhebt ein ukrainischer Journalist schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Er berichtet von Waffen und Gewalt.
Newsdesk Heute
09.10.2026, 17:57
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Nach der spektakulären Festnahme von vier Ukrainern in Wien sorgt der Fall weiter für Aufregung. Der bekannte ukrainische Investigativjournalist Mychajlo Tkatsch, der am Donnerstag gemeinsam mit seinem Kameramann Jaroslaw Bondarenko festgenommen wurde, schildert nun erstmals selbst die dramatischen Szenen. Seine Vorwürfe gegen die österreichischen Polizisten haben es in sich.

"Meinem Gefühl nach wurden wir wie Terroristen festgenommen", berichtet Tkatsch in einem Video seines Mediums "Ukrajinska Prawda". Die Beamten hätten nicht mit ihnen gesprochen, sondern nur geschrien und ihre Waffen auf sie gerichtet. "Es gab überhaupt keine Kommunikation", schildert der Journalist.

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Sieben Bewaffnete stürmten auf Auto zu

Der Vorfall ereignete sich laut Tkatsch nur wenige Kilometer vom Wiener Stadtzentrum entfernt. Er und sein Kameramann seien gerade auf dem Weg von einem Drehort zum nächsten gewesen, als sie an einer roten Ampel anhielten.

Plötzlich seien sieben bewaffnete und maskierte Männer auf ihr Fahrzeug zugestürmt. Sie hätten die Autoscheiben eingeschlagen und ihre Waffen auf die beiden Ukrainer gerichtet.

Tkatsch habe sofort eine Hand gehoben und auf Englisch erklärt, dass er Journalist sei. Doch das habe nichts geholfen. Die Männer hätten ihn und seinen Kameramann aus dem Auto gezerrt, mit dem Gesicht nach unten auf die Straße geworfen und ihre Hände hinter dem Rücken fixiert.

Besonders schwer wiegt ein weiterer Vorwurf des Journalisten: "Ich wiederholte immer wieder, dass ich Journalist bin. Stattdessen drückte mir einer dieser Männer sein Knie auf den Hals und schrie, ich solle den Mund halten."

Anschließend sei er in einen nahe gelegenen Torbogen gezerrt, mit dem Gesicht zur Wand gestellt und erneut zum Schweigen aufgefordert worden, berichtet "The Kyiv Independent".

"Ich dachte, wir werden entführt"

Besonders beängstigend: Laut Tkatsch hätten sich die maskierten Männer zunächst weder ausgewiesen noch erklärt, warum sie die beiden Ukrainer festnehmen.

In den ersten 30 bis 40 Minuten habe er deshalb geglaubt, Opfer einer Entführung geworden zu sein. Erst als er später Polizeifahrzeuge sah, sei ihm klar geworden, dass es sich um einen offiziellen Einsatz handelte.

Danach sei er in einem Polizeifahrzeug mit Blaulicht abtransportiert worden. Seinen Kameramann habe er ab dem Zeitpunkt der Festnahme nicht mehr gesehen.

Bondarenko wurde bei dem Einsatz verletzt und musste ins Spital gebracht werden. Tkatsch schildert, dass beim Einschlagen der Autoscheiben Glassplitter in das Gesicht seines Kollegen geflogen seien.

Musste sich bei Polizei völlig ausziehen

Auch die Stunden nach seiner Festnahme beschreibt der Journalist als belastend. Auf der Polizeistation seien ihm sämtliche persönlichen Gegenstände abgenommen worden. Danach habe er rund zwei Stunden alleine in einer Zelle verbringen müssen, ohne eine Erklärung für seine Festnahme zu erhalten.

Später sei er in einen anderen Raum gebracht und aufgefordert worden, sich vollständig auszuziehen. Anschließend hätten die Beamten sein Gewicht und seine Körpergröße erfasst. Als er sich weigerte, ein deutschsprachiges Dokument zu unterschreiben, dessen Inhalt er nicht verstand, habe ein Polizist wütend reagiert und ihn angeschrien.

Erst bei einer späteren Befragung habe es laut Tkatsch ein inhaltliches Gespräch über die Hintergründe seiner Festnahme gegeben.

Innenminister bestätigt Spionageverdacht

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bestätigte am Freitag, dass in Wien insgesamt vier Ukrainer wegen Spionageverdachts festgenommen wurden. Zwei Männer, die bereits am Montag festgenommen worden waren, befinden sich in Untersuchungshaft.

Tkatsch kam nach mehr als zwölf Stunden am Freitag gegen 4 Uhr früh wieder frei. Auch die Freilassung seines Kameramanns wurde inzwischen veranlasst.

Die Wiener Staatsanwaltschaft erklärte, dass sich der zunächst bestehende Verdacht gegen die beiden Journalisten nicht erhärtet habe. Die konkreten Gewaltvorwürfe von Tkatsch sind damit allerdings noch nicht geklärt.

Recherchen über geflohenen Spitzenpolitiker

Die beiden Reporter waren nach Angaben ihrer Redaktion in Wien, um über den ehemaligen ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko zu recherchieren. Dieser soll sich nach Korruptionsvorwürfen ins Ausland abgesetzt haben und ist an einer Adresse in der Wiener Innenstadt gemeldet.

Die Chefredakteurin der "Ukrajinska Prawda", Sewhil Musajewa, verlangt von den österreichischen Behörden Aufklärung über die Festnahme und die Verletzungen ihres Kameramanns.

red,09.10.2026, 17:57