Die Betreuung von Ukraine-Flüchtlingen steht vor einem Kollaps: Nachdem bereits alle Bundesländer – zuletzt auch Vorarlberg – ihre Ankunftszentren geschlossen haben, zieht nun auch Wien die Reißleine. Das überbelegte Zentrum in Wien-Hütteldorf, das derzeit noch über 200 Menschen aufnimmt, wird mit Ende des Jahres geschlossen.
Laut geltender Regelung müssen Kriegsvertriebene aus der Ukraine nach der Ankunft in Österreich bei der Polizei gemeldet und anschließend in die Grundversorgung aufgenommen werden – ein Prozess, der mehrere Tage dauert. Bis dahin sind die Länder zur vorübergehenden Unterbringung verpflichtet. Doch ab 2026 gibt es dafür keine Quartiere mehr.
Wien verteidigt seinen Schritt laut "Kronen Zeitung" mit Verweis auf die massive Überlastung: Die Bundeshauptstadt erfüllt die bundesweite Flüchtlingsquote zu 198 Prozent und betreut aktuell rund 11.000 Ukrainer – fast 12.000 mehr, als vorgeschrieben wäre. Anders sieht es in Oberösterreich, Kärnten und Tirol aus – dort werden die Aufnahmequoten nicht einmal zur Hälfte erfüllt.
Der Bund verweist auf die Zuständigkeit der Länder und will laut Innenministerium keine Maßnahmen für Jänner setzen. Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) fordert hingegen, dass Innenminister Karner gemeinsam mit der Bundesbetreuungsagentur (BBU) Verantwortung übernimmt. Die BBU ihrerseits appelliert an die Länder, ihre gesetzlichen Verpflichtungen wahrzunehmen, heißt es in dem Bericht weiter.
Eine mögliche Lösung – etwa die Nutzung leerstehender Plätze in Erstaufnahmezentren wie Traiskirchen – ist derzeit nicht vorgesehen. Dabei steigt der Bedarf: Allein im September kamen rund 2.000 neue ukrainische Flüchtlinge nach Österreich – eine Tendenz, die angesichts der winterlichen Kriegsrealität wohl anhalten wird.