Alle Jahre wieder bringt der Start ins neue Jahr für viele Menschen finanzielle Probleme mit sich. Auch heuer erwartet die Schuldnerberatung Wien einen spürbaren Anstieg an Anfragen nach den Feiertagen. Grund dafür sind vor allem die hohen Ausgaben rund um Weihnachten sowie zahlreiche Jahresabrechnungen, die gleich zu Beginn des Jahres ins Haus flattern, berichtet der ORF.
"Im ersten Quartal verzeichnen wir normalerweise um 20 bis 30 Prozent mehr Erstanmeldungen pro Monat als im weiteren Jahresverlauf", erklärt Gudrun Steinmann, Expertin der Schuldnerberatung im Fonds Soziales Wien (FSW). Konkret rechnet der FSW von Jänner bis März mit 600 bis 700 Neuanmeldungen pro Monat. In den restlichen Quartalen liege die Zahl deutlich niedriger, bei etwa 450 bis 500 Erstkontakten.
Mit dem Ende der Feiertage kehrt für viele nicht nur der Alltag, sondern auch der finanzielle Ernst zurück. "Das bedeutet, dass wieder Briefe, Mahnungen oder Schreiben von Inkassobüros im Postkasten landen. Auch Gerichtsvollzieher sind wieder unterwegs", so Steinmann. Zusätzlich treffen im Jänner häufig Jahresabrechnungen ein – etwa für Haushalts- oder Kfz-Versicherungen sowie für Gas- und Stromkosten.
Gerade für Menschen, die ohnehin schon mit Schulden kämpfen, wird das Weihnachtsgeschäft oft zur zusätzlichen Belastung. "Das Konto wird dann oft noch weiter überzogen, als es ohnehin schon war", betont Steinmann.
Ein weiterer Problembereich sind Ratenzahlungen, die viele für Weihnachtsgeschenke abschließen – vor allem im Online-Handel. "Ein Ratenkauf ist mit wenigen Klicks erledigt. Die Risiken sind vielen aber nicht bewusst", warnt Steinmann. Im Kleingedruckten werde oft erst klar, wie teuer verspätete Zahlungen tatsächlich sind.
Nicht selten müssten Betroffene noch Raten aus dem vergangenen Weihnachtsgeschäft begleichen. "So kann man sehr schnell den finanziellen Überblick verlieren", sagt Steinmann. Grundsätzlich sieht die FSW-Schuldnerberatung Ratenkäufe kritisch: "Ratenkauf und Kontoüberzug gehören zu den teuersten Kreditformen. Der Handel freut sich – und Dritte verdienen mit."
Die Nachfrage nach Unterstützung ist seit Jahren auf hohem Niveau. Für die kommenden Jahre erwartet der FSW sogar einen weiteren Anstieg. Wirtschaftliche Krisen würden sich meist zeitverzögert auswirken. "Die Nachwirkungen der CoV-Pandemie, die hohe Inflation und steigende Arbeitslosenzahlen werden dazu führen, dass früher oder später wieder mehr Menschen Hilfe benötigen", so Steinmann.
Derzeit sind die Klienten der FSW-Schuldnerberatung im Schnitt mit rund 55.000 Euro verschuldet, rund 60 Prozent davon sind Männer. Steinmann rät Betroffenen, zuerst eine genaue Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu erstellen. Reiche das nicht aus, sollte man nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: "Je früher man kommt, desto besser lässt sich gegensteuern."