In einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ), Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und den Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien, Ewald Lochner, haben die Betriebsräte mehrerer Einrichtungen ein sofortiges Ende der geplanten Kürzungen gefordert. Sie warnen vor schweren sozialen Folgen für die Stadt. Besonders scharf kritisieren sie, dass die Angebote zur Arbeitsmarktintegration für Menschen mit Suchtproblemen praktisch zur Gänze gestrichen werden sollen. Auch im Bereich der Behandlung soll laut orf.at um bis zu 25 Prozent eingespart werden, was für viel Unverständnis sorgt.
Die betroffenen Organisationen – darunter das Anton Proksch Institut, Dialog – Individuelle Suchthilfe, gabarage, die Suchthilfe Wien, die Sucht- und Drogenkoordination Wien sowie die Wiener Berufsbörse – schlagen Alarm: Viele erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor der Kündigung. Damit droht auch das Aus für langjährige Expertise im Bereich Suchthilfe und Arbeitsmarktintegration.
"Wer glaubt, man könne suchtkranke Menschen einfach in allgemeine AMS-Angebote schicken, ignoriert die Realität", sagt eine Mitarbeiterin aus einer der genannten Einrichtungen zum ORF. "Diese Arbeit braucht Zeit, Wissen und Beziehung – das kann man nicht in ein paar Stunden einschulen." Die Betriebsräte warnen, dass die Folgen die ganze Stadt treffen würden. Wenn die Betreuung fehlt, steigen auf Dauer Gesundheits- und Sozialkosten, Armut auf der Straße wird sichtbarer und Angehörige werden zusätzlich belastet.
Als Reaktion auf die geplanten Einsparungen kündigten die Betriebsräte für den 13. November Betriebsversammlungen im öffentlichen Raum an und starteten eine Petition. Damit wollen sie zeigen, was die Kürzungen tatsächlich bedeuten. Sie fordern die Rücknahme der Sparmaßnahmen. "Wien war immer stolz auf seine soziale Verantwortung", steht im offenen Brief. Doch was jetzt passiere, sei kein Sparprogramm – es sei ein sozialer Kahlschlag.
Die Kürzungen betreffen vor allem die Arbeitsmarktförderung für Suchtkranke. Laut den Grünen Wien wird mit diesen Einschnitten nicht nur kurzfristig Geld gespart, sondern langfristig die soziale Stabilität gefährdet. Einrichtungen müssten ihre Angebote teilweise sofort reduzieren oder ganz einstellen, was auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter massive Folgen habe. Die Stadtregierung kürze hier ziel- und planlos. Der Bürgermeister sei dringend dazu aufgerufen, den geplanten Kahlschlag bei der Arbeitsmarktförderung für Suchtkranke zu stoppen, so Pühringer.
Barbara Huemer kritisiert das Vorgehen der Stadtregierung als kurzfristig und intransparent. „Während dem Gemeinderat noch nicht einmal ein Budgetentwurf vorliegt, sind die Kürzungen im Gesundheits- und Sozialsystem bereits voll im Gange", so die Grüne Gesundheitssprecherin. Betroffene Organisationen und ihre Beschäftigten erfahren von den Einschnitten teilweise "überfallsartig".