Im Oktober wurde im Grazer Gemeinderat ein Antrag einstimmig angenommen, der für Aufsehen sorgt. Demnach möchte die Stadt sogenannte "Druckräume" schaffen. Dort sollen Drogenabhängige in einem sicheren Umfeld beispielsweise Heroin konsumieren können.
Eingebracht wurde der Antrag von Michael Winter vom Korruptionsfreien Gemeinderatsklub Graz (KFG). Man erhofft sich dadurch den Drogenmissständen in der steirischen Landeshauptstadt Herr werden zu können. Es sei "als temporäre, gesellschaftliche Notlösung" gedacht.
Gegenüber der "Kleinen Zeitung" stellt der Suchtkoordinator der Stadt Graz, Ulf Zeder, klar, dass es sich hier um keinen "Giftlerservice" handeln soll. Vielmehr sei es eine "Einrichtung für die Allgemeinheit". So könnte man die gebrauchten Spritzen aus den öffentlichen Toiletten wegbekommen und somit eine Gefahrenquelle für Dritte – insbesondere Kinder – beseitigen.
Während es solche Räume in der Schweiz und in Deutschland bereits vorhanden sind, wäre es in Österreich ein Pilotprojekt. In Graz würden im Jahr fast eine Million Spritzen dokumentiert werden. Die meisten davon würden beim Spritzentausch im Kontaktladen der Caritas gesammelt werden. Dort können User Drogen kostenlos auf Inhaltsstoffe analysieren lassen.
Auch der Leiter des Kontaktladens der Caritas in der Orpheumgasse, Harald Ploder, sieht das geplante Projekt positiv. Ihm zufolge würden Drogenabhängige niemanden gefährden wollen. Trotzdem bleiben ihnen oft nur Räume wie öffentliche Toiletten für ihren Konsum. Diese seien jedoch "unhygienisch und dazu unsicher". Die Druckräume würden zur "Risikominimierung und Gesundheitsförderung" dienen, meint Ploder.
Laut Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) sei Suchthilfe "eine wichtige Aufgabe kommunaler Gesundheitsarbeit". In Graz versuche man einen "solidarischen, kommunal verankerten Ansatz im Sinne von Prävention und Gefahrenreduktion" zu wählen. Für ihn sei wichtige, dass sich Suchtpolitik im Alltag bewährt.
Noch sind die Österreichs erste Druckräume aber noch lange nicht beschlossene Sache. Für derartige Einrichtungen müsste der Bund erst das Suchtmittelgesetz adaptieren. Es müssten noch zahlreiche rechtliche Fragen geklärt werden, heißt es in dem Bericht der "Kleinen". Seitens der Stadt möchte man daher nun eine entsprechende Petition starten.