Spar-Vorstand Kaser gesteht:

"Wir waren erstaunt, dass es so schnell ging"

Spar-Vorstand Markus Kaser hält wenig von der Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel. Er warnt vor steigenden Energiekosten und deren Folgen.
16.10.2026, 07:47
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Die Preise im Supermarkt könnten wieder stärker unter Druck geraten. Der Grund dafür liegt laut Spar-Vorstand Markus Kaser vor allem bei den steigenden Energiekosten. Während die Lebensmittelpreise derzeit nur leicht zulegen und manche Produkte sogar günstiger werden, sieht der Handelsmanager mittelfristig neue Belastungen auf die Branche zukommen.

Mit der österreichischen Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel kann Kaser hingegen wenig anfangen. Er hält die Maßnahme für den falschen Ansatz.

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"Mehrwertsteuersenkung ist eine Fehlkonstruktion"

Im Interview mit der "Kleinen Zeitung" erklärt Kaser, dass die Inflation bei Lebensmitteln im Spar-Warenkorb derzeit bei rund einem Prozent liege. Die Tendenz sei rückläufig. Bei Brot und Backwaren, bestimmten Milcherzeugnissen sowie verschiedenen Konserven gebe es sogar sinkende Preise.

Anders sieht die Entwicklung bei der Energie aus. Die höheren Kosten würden früher oder später auch bei den Lebensmitteln ankommen, warnt der Spar-Vorstand. Entscheidend wäre aus seiner Sicht deshalb, die Energiepreise zu senken, statt einzelne Lebensmittel steuerlich zu begünstigen.

"Mit Kleinstprojekten wie der Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel werden keine großen Effekte erzielt, mit der Senkung der Energiekosten wäre allen geholfen. Vom Konsumenten bis hin zur Industrie", sagt Kaser gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Kunden reagieren kaum auf Steuersenkung

Auch beim Einkaufsverhalten erkennt Kaser bisher keine Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung. Die Kunden würden weder anders einkaufen noch vermehrt beim Kundenservice nachfragen.

"Es ist wichtig, dass man sich um leistbare Lebensmittel kümmert, aber die Mehrwertsteuersenkung ist eine Fehlkonstruktion und kostet in Summe mehr als sie bringt", sagt der Spar-Vorstand zur "Kleinen Zeitung".

Stattdessen fordert Kaser eine grundlegende Änderung der europäischen Energiepolitik. Günstigere Energie würde nicht nur Haushalte entlasten, sondern auch die Produktion und damit zahlreiche Waren verbilligen.

Kritisch sieht er zudem das bestehende System der Strompreisbildung, bei dem der Gaspreis eine wichtige Rolle spielt. "Hier hängt man noch an einem System, das aus meiner Sicht veraltet und nicht nachvollziehbar ist und das geändert gehört", sagt Kaser in dem Gesprächmit der "Kleinen Zeitung".

Probleme durch Nahostkonflikt?

Auch die internationalen Krisen beschäftigen den Lebensmittelhandel. Bei der Versorgung mit Lebensmitteln gebe es durch den Nahostkonflikt derzeit noch keine Schwierigkeiten, erklärt Kaser.

Erste Probleme würden sich allerdings bei Zulieferern von Geschäftsausstattung abzeichnen. Durch die Erfahrungen aus früheren Krisen seien die Lieferketten mittlerweile widerstandsfähiger geworden. Bei Ausfällen gebe es daher mehr Möglichkeiten, auf andere Anbieter auszuweichen.

Schließung von Gemüsewerk sorgt für Schock

Eine weitere Herausforderung für die Branche ist das bevorstehende Ende der Tiefkühlgemüseproduktion von Ardo in Groß-Enzersdorf.

Die Entscheidung habe Spar überrascht. Innerhalb von nur zwei Tagen sei es jedoch gelungen, mit dem langjährigen Partner Schneiders Gemüsewelt im Marchfeld eine Ausweitung der Produktion zu vereinbaren.

Markus Kaser ist ab 2028 neuer Vorstandsvorsitzender von Spar
Spar / evatrifft / Heute.at

Das Familienunternehmen soll künftig mehr Gemüse für Spar herstellen und zusätzliche Bauern einbinden. Dafür muss es seine Produktionskapazitäten ausbauen. "Die Schließung des Werks von Ardo ist ein Schock, gleichzeitig tun sich Chancen auf. Das zeigt sich gerade durch die Solidarität mit den heimischen Produzenten", erklärt Kaser zur "Kleinen Zeitung".

Ernteausfälle könnten Importe vorziehen

Auch das Wetter hinterlässt Spuren bei Österreichs Landwirtschaft. Vor allem die Trockenheit habe einigen Kulturen zugesetzt, darunter Äpfeln.

Bei einzelnen Produkten könnte deshalb die Saison für Importware einige Wochen früher beginnen. Die Weinbauern, mit denen Kaser gesprochen habe, seien mit ihrem Jahrgang hingegen zufrieden.

Eine Gefährdung der Lebensmittelversorgung sieht der Spar-Vorstand nicht. Allerdings würden die klimatischen Veränderungen die Arbeit für heimische Landwirte zunehmend erschweren.

Spar setzt auf heimische Lebensmittel

Kaser spricht sich außerdem dafür aus, die Herkunft von Lebensmitteln stärker hervorzuheben, auch in der Gastronomie.

Seiner Ansicht nach macht es einen Unterschied, unter welchen Bedingungen Obst und Gemüse angebaut und verarbeitet werden. Die Herkunft könne daher auch für Gastronomen ein Verkaufsargument sein.

Spar setzt selbst auf Projekte zur Förderung der heimischen Landwirtschaft. Gemeinsam mit Frutura arbeitet das Unternehmen seit 2023 daran, zwei alte österreichische Apfelsorten wieder auf den Markt zu bringen.

Dabei gehe es nicht nur um Artenvielfalt, sondern auch um eine langfristig sichere Versorgung und die Stärkung regionaler Produzenten.

Harte Verhandlungen mit Markenherstellern

Bei den Preisen internationaler Markenprodukte erwartet Kaser erneut intensive Verhandlungen.

Spar werde gegenüber den großen Herstellern weiterhin hart auftreten. Der Handelsmanager verweist darauf, dass die Gewinnspannen im Lebensmittelhandel deutlich geringer seien als jene der Markenartikelindustrie.

Auch den häufig diskutierten "Österreich-Aufschlag" spricht Kaser an. Eine systematische Benachteiligung einzelner Märkte müsse die Politik unterbinden.

Gleichzeitig kritisiert er Preisvergleiche zwischen Österreich und Deutschland, bei denen Unterschiede bei Qualität, Rohstoffen, Verarbeitung und Herkunft nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Konkurrenz im Supermarkt bleibt hart

Trotz wachsender Marktanteile sieht Kaser keinen Grund, sich zurückzulehnen. Der Wettbewerb zwischen den großen Lebensmittelhändlern in Österreich sei intensiv.

"Wir segeln hart am Wind. Der Markt ist so eng, dass man eine aggressive Preispolitik verfolgen muss, wenn man sich behaupten will", erklärt Kaser gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Dass Spar weiter Marktanteile gewinne, führt er unter anderem auf die Kombination aus eigenen Filialen und selbstständigen Kaufleuten zurück. Auch eine möglichst einfache und verlässliche Aktionspolitik sei für den Erfolg entscheidend.

wil, 16.10.2026, 07:47