Jetzt trifft die Windrad-Debatte auch Wien: Am Bisamberg in Floridsdorf könnten bald vier neue Anlagen gebaut werden. Konkret geht es um ein Projekt östlich des Bisambergs zwischen Rendezvousberg und der Stammersdorfer Kellergasse. Hinter den Plänen steht die heimische WEB Windenergie AG, die weltweit fast 300 Windanlagen betreibt.
Der Standort gilt als technisch günstig: Der Wind aus der Wiener Pforte soll optimal genutzt werden, der erzeugte Strom könnte direkt in nahegelegene Leitungen eingespeist werden. Doch genau hier beginnt der Streit.
Denn das geplante Areal ist hochsensibel. Es grenzt unmittelbar an das Natura-2000-Gebiet Bisamberg, zudem ist es Teil des Wiener Grüngürtels und damit Landschaftsschutzgebiet. Auch die sogenannten "Alten Schanzen", historische Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert und heute wertvolles Naturrefugium, liegen dort.
Besonders brisant: Eines der Windräder soll direkt neben der "Schanze 12" am Wolfersgrünweg errichtet werden. Laut Plänen würden die Rotoren eine Fläche von über 4.300 Quadratmetern überdecken, das Fundament selbst würde rund 500 Quadratmeter Boden versiegeln.
Leopold Andrä von der Initiative "Pro Wild" verweist auf eine Studie mit rund 100 nachgewiesenen Vogelarten in dem Gebiet. Darunter auch gefährdete Arten wie Feldlerche, Goldammer oder Wachtel. Auch Ziesel wurden dort gesichtet.
Seine Kritik: "Wir sind nicht prinzipiell gegen Windräder, aber wir fragen uns: Sollte man in Anbetracht der hohen Biodiversität nicht vorher Nachschau halten, damit man nicht etwas Erhaltenswertes zerstört?"
Beim Betreiber gibt man sich zurückhaltend. Das Projekt sei noch "in einer sehr frühen Phase": "Ob sich der Standort tatsächlich für ein konkretes Projekt eignet, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilen. Entsprechend gibt es auch noch keinen Zeitplan."
Auch im Rathaus hält man sich bedeckt. Der Stadt liegt bisher kein Antrag vor. Klar ist aber: Sollte das Projekt weiterverfolgt werden, wird es nach dem Wiener Naturschutzgesetz genau geprüft.
Fix ist schon jetzt: Der Windkraft schlägt auch in Wien ordentlich Gegenwind entgegen.