Die Stadt Wien startet gemeinsam mit der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien ab Herbst mit "Wiener Wachstum" ein neues Finanzierungsinstrument für Unternehmen in der Wachstumsphase – sozusagen eine Art von "Kredit". Zum Start stehen sieben Millionen Euro bereit. Die Mittel kommen je zur Hälfte von der Wirtschaftsagentur Wien und der Raiffeisen-Holding.
Mit dem neuen Programm sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Wien bis maximal 250 Mitarbeiter unterstützt werden, die vor dem nächsten großen Entwicklungsschritt stehen. Ziel ist es, Investitionen zu erleichtern und Arbeitsplätze zu sichern. Allein im vergangenen Jahr wurden laut KSV1870 insgesamt 2.599 Firmeninsolvenzen in Wien gemeldet – ein Plus von 4,4 Prozent.
Laut Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gab es 2025 allerdings auch rund 11.000 Unternehmens-Neugründungen in Wien: "Wien hat in den vergangenen Jahren als einziges Bundesland Wirtschaftswachstum verzeichnet und einen historischen Gründungsrekord. Wer in Wien ein Unternehmen gründet, kann sich sicher sein, dass man maßgeschneidert dabei unterstützt wird", so Ludwig (SPÖ).
Gerade in der Expansionsphase stoßen viele Unternehmen auf Probleme bei der Finanzierung. Hier soll das neue Modell ansetzen: In der ersten Finanzierungsrunde können Betriebe zwischen 100.000 und 500.000 Euro erhalten, in der zweiten Runde bis zu 700.000 Euro
"Mit 'Wiener Wachstum' stärken wir das Wachstum unserer Unternehmen, ermöglichen neue Finanzierungen und schaffen einen nachhaltigen Finanzierungskreislauf. Tatsächlich hat uns dieses Instrument gefehlt, jetzt können wir damit eine Finanzierungslücke schließen", erklärt Wirtschafts-Stadträtin Barbara Novak (SPÖ).
Das Programm richtet sich überwiegend (mindestens 75 Prozent) an Unternehmen aus der Gesundheits- und Digital-Branche. Dazu zählen etwa Life Sciences, Medizintechnik, Pharma, Diagnostik, Software, IT-Leistungen, Quantentechnologien, künstliche Intelligenz und Cybersecurity. Diese Branchen gelten in Wien als besonders wachstumsstark.
Für die Förderungen wird mit "Wachstum Wien" auch eine eigene GmbH gegründet – jeweils 50 Prozent gehören der Raiffeisen Holding und der Wiener Wirtschaftsagentur: "Wir wollen gezielt in Wachstumsunternehmen investieren – KMUs sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Wir werden das Ganze sehr flexibel handhaben und die Verfahren einfach halten", verspricht Michael Höllerer, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien.
Bei den Beträgen handelt es sich nicht um klassische Förderungen, sondern um Finanzierungsmittel, die vom Unternehmen (je nach individueller Vereinbarung) in einem bestimmten Zeitraum zurückgezahlt werden müssen. Ob Zinsen für die Finanzierungsmittel verrechnet werden bzw. eine Inflationsanpassung erfolgt, wurde nicht bekanntgegeben.
Zudem beteiligt sich die "Wachstum Wien" GmbH an den jeweiligen Unternehmen und erhält dadurch auch einen Anteil an den Unternehmensgewinnen. Diese sollen dann wieder in den Fördertopf zurückfließen, um weitere Investitionen zu ermöglichen.
Bereits ab heurigem Herbst können Unternehmen Anträge für die Förderung stellen, die Auszahlung erfolgt ab 2027. Die Anträge werden nach "betriebswirtschaftlichen Standards" genau geprüft. Nach Absegnung durch die Geschäftsführung der GmbH (je eine Person von der Wirtschaftsagentur und der Raiffeisen-Holding) entscheidet der Aufsichtsrat der GmbH (bis zu sechs Personen, Vorstand: Wirtschaftsagentur) über die Zusage. Die Infos werden zeitnah unter wirtschaftsagentur.at/wiener-wachstum zur Verfügung gestellt.