Eine furchtbare Gewalttat erschütterte am 19. August das Grätzl am Reumannplatz in Favoriten. Ein Mann wurde in der Waffenverbotszone fast zu Tode geprügelt und getreten. Der 35-Jährige liegt auch Monate nach der Tat noch immer im Wachkoma.
Der Andrang zu dem Prozess war am Mittwoch (4.2.) am Wiener Landl zu groß. Ein Theater gab es vor der Verhandlung um die wenigen Sitzplätze im Saal 201 – eine Damenrunde wollte nicht glauben, dass es am Landl keine Sitzplatzreservierungen gibt. Erst nach einer Diskussion mit der Richterin herrschte im Saal wieder Ruhe und Ordnung. Das sorgte kurz für Erheiterung, dann wurden die Zuhörer auf den Boden der schrecklichen Tatsachen zurückgeholt.
Zwei vorbestrafte Wiener mit Balkan-Hintergrund (33, 36) mussten auf der Anklagebank Platz nehmen – absichtlich schwere Körperverletzung, lautete der Vorwurf. Der Erstangeklagte (36, "bin ein Alkoholiker,…") bekannte sich "nicht schuldig", sein Kumpel (33) "teilschuldig".
Das Opfer habe damals am Reumannplatz Streit gesucht, ihn provoziert, weil er seiner Freundin die Hand gegeben hätte, so der 33-Jährige. "Ich habe ihn weggeschubst. Dann habe ich ihm eine Watsche gegeben. Er hatte einen spitzen Gegenstand in der Hand." Auch mit der Faust habe er einmal zugeschlagen. "Er ist aber wieder aufgestanden, verletzt war er nicht."
Der Erstangeklagte – schlug ein paar Monate zuvor einen Filialleiter k.o. – will mit der Sache nichts zu tun gehabt haben. Zeugen wollen die beiden Männer aber angeblich erkannt haben. Sie sahen angeblich, wie die beiden Männer dem Opfer wuchtige Schläge und Tritte verpassten. Ein Mann sei barfuß gewesen. "Ja, ich sitze immer barfuß am Reumannplatz", gab der 36-Jährige freimütig an. Den Zeugen kenne er seit seiner Kindheit, er müsse sich aber "irren". Denn er sei kurz vor der schrecklichen Gewalttat heimgegangen.
Hintergrund der blutigen Eskalation dürfte ein Streit im Rausch gewesen sein. Alle Beteiligten gehören einer Alkoholiker-Clique an, die sich regelmäßig am Reumannplatz trifft. Auch das Opfer hatte drei Promille intus. "Der Mann liegt noch immer im Koma und schwebt in Lebensgefahr", führte der Staatsanwalt aus. "Er wird sich niemals erholen."
Beide Männer gaben an, zum Tatzeitpunkt nicht mehr am Reumannplatz gewesen zu sein. Kurz nach dem blutigen Vorfall sollen die beiden Verdächtigen aber noch telefoniert haben. "Warum das?", wollte die Richterin wissen. "Ich wollte nur wissen, ob alles ok ist und ob wir noch ein Bier trinken", so der 33-Jährige. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie jemanden getreten!"
Die Partnerin des Opfers sollte als Hauptzeugin aussagen, konnte jedoch aufgrund einer Erkrankung nicht kommen – vertagt auf 2. März 2026! Die Unschuldsvermutung gilt. Das vorbestrafte Duo bleibt in U-Haft.