Hitzewellen, Waldbrände und Trockenheit: Nach dem außergewöhnlich heißen Sommer 2026 fällt die Bilanz beim Extremwetterkongress in Hamburg düster aus. Zwei der bekanntesten deutschen TV-Meteorologen finden dabei deutliche Worte.
Sven Plöger, seit Jahrzehnten als Wetterexperte im Ersten bekannt, beobachtet auf dem Kongress seit Jahren dasselbe Muster. "Man merkt seit vielen Jahren, dass wir bei jedem Extremwetterkongress so eine Art Déjà-vu erleben", sagte der 59-Jährige.
Die Themen würden sich wiederholen – nur bei stetig steigenden Temperaturen. Besonders ernüchternd sei die Entwicklung bei den Treibhausgasen: "Wir haben seit dreißig Jahren gesagt, die Emissionen müssen runter, und seit dreißig Jahren gehen die Emissionen rauf. So kann man Ziele nicht erreichen."
Mit einem Fußballvergleich beschreibt Plöger, wie er die aktuelle gesellschaftliche Debatte wahrnimmt: "Stellen Sie sich mal vor, da spielt die Mannschaft Klimavernunft gegen die Mannschaft Realitätsverweigerung, dann steht es im Moment gefühlt 1:3."
Aufgeben will der Meteorologe deshalb aber nicht. "Fußballspiele kann man drehen. Aber nur dann, wenn man weiterspielt."
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sieht Plöger fehlendes Wissen als einen entscheidenden Faktor in der Klimadebatte. Sein Befund: "Das größte Einfallstor für Klimaforschungsleugner ist ein nicht ausreichender Bildungsstand."
Noch drastischer äußert sich ZDF-Meteorologe Özden Terli. Der 1971 geborene Wetterexperte spricht bewusst nicht von Klimawandel, sondern von "globaler Erhitzung".
"Das ist ja kein Klimawandel. Das ist ja ein epochaler Umbruch in der Menschheitsgeschichte", erklärt Terli: "Das ist ein Impact, der so massiv ist, dass sich alles verändert. Und das ist etwas, das wird einfach nicht klar genug kommuniziert."
Wie das Leben in einigen Jahrzehnten aussehen wird, könne er nicht vorhersagen. Seine Einschätzung fällt dennoch drastisch aus: "Ich habe keine Ahnung, wie die Menschen 2080 leben werden. Es wird definitiv nicht auf dem Level sein wie jetzt. Es wird super, super übel werden."
Wie schnell Veränderungen bereits stattfinden, zeigte Terli zuletzt auch in seinem ZDF-Wetterbericht. Dort präsentierte er ein Foto des Glaziologen Matthias Huss am Aletschgletscher im Schweizer Kanton Wallis.
Huss hielt darauf eine sechs Meter lange Stange. Genau so viel Eis war dort innerhalb von drei Monaten verschwunden. "Wir schauen den Gletschern zu, wie sie im Prinzip verschwinden", sagte Terli.
Auch in Gesprächen mit Menschen bemerke er inzwischen eine Veränderung. Über den Sommer 2026 höre er vielfach dieselbe Reaktion: "Dieser Sommer war total krass."
Plöger warnt zugleich vor den wirtschaftlichen Folgen zunehmender Wetterextreme. Irgendwann könne ein Punkt erreicht werden, an dem Klimaanpassung schlicht nicht mehr finanzierbar sei.
"Alle Volkswirtschaften der Welt zusammen können irgendwann alles nicht mehr bezahlen, wenn die Schäden sich so verstärken", sagt der Meteorologe. Probleme könnten etwa entstehen, wenn Flüsse wegen niedriger Wasserstände für Transporte nicht mehr ausreichend genutzt werden können.
Trotz der düsteren Aussichten wollen beide Meteorologen nicht resignieren. Terli formuliert es so: "Vielleicht gibt es keine [Hoffnung]. Aber das bedeutet ja nicht, dass wir uns ergeben müssen."