Der Sommer verabschiedet sich, doch vom Herbst will das Wetter am Michaelistag offenbar noch wenig wissen: Am 29. September zeigt sich Österreich vielerorts sonnig und mild. In Wien werden etwa bis zu 24 Grad erwartet, auch in anderen Regionen klettern die Temperaturen auf sommerlich anmutende Werte.
Für eine jahrhundertealte Bauernregel ist genau das ein Grund zur Aufregung. Denn sie behauptet:
„Gibt Michaeli Sonnenschein, wird in zwei Wochen Winter sein.“
Heißt das also: Mitte Oktober könnte Österreich bereits mitten im Winter stecken?
Der 29. September gilt traditionell als einer der wichtigen Lostage im bäuerlichen Kalender. Früher markierte der Michaelistag einen Einschnitt im Jahreslauf: Pachtverhältnisse liefen aus oder begannen neu, die Ernte war weitgehend eingebracht und der Blick richtete sich auf die kalte Jahreszeit.
Das Wetter an diesem Tag wurde deshalb besonders aufmerksam beobachtet. Aus den Erfahrungen über Generationen entstanden zahlreiche Bauernregeln – einfache Merksätze, mit denen sich das kommende Wetter abschätzen lassen sollte.
Die Wetterentwicklung nach dem Michaelistag liefert jedoch keinen Hinweis darauf, dass Österreich bereits zwei Wochen später mit Schnee und Frost rechnen muss. Für Wien werden auch zu Beginn des Oktobers weiterhin milde Temperaturen prognostiziert.
Die Bauernregel beschreibt zudem keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang. Sie entstand in einer Zeit, in der weder Satellitenbilder noch numerische Wettermodelle zur Verfügung standen. Bauern waren auf lokale Beobachtungen, Erfahrung und wiederkehrende Wetterlagen angewiesen.