Umwidmungs-Welle

Wohnungen weg! Immer mehr Häuser werden zu Hotels

Wohnungen, die für kurze Zeit vermietet werden: In Wien tobt ein Streit um Airbnb & Co. Die Anträge auf Umwidmungen erreichen einen neuen Rekord.
04.11.2026, 22:30
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Immer mehr Vermieter nutzen offenbar eine Gesetzeslücke, um Wohnungen gewerblich für Kurzzeitvermietungen zu nutzen. So werden ganze Wohnhäuser zu Beherbergungsstätten (Hotel) umgewidmet. Die Grünen sprechen von "Wohnraub", Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) von "besonders Schlauen" – die Vermieter wehren sich.

Laut den Wiener Grünen wurden bis 10. Oktober in Wien 317 Anträge gestellt, um Wohnungen in Beherbergungsstätten umzuwidmen. 85 davon sind bereits bewilligt, die restlichen werden noch geprüft. Im ganzen Jahr 2025 waren es 305 Anträge. Damit gab es heuer schon nach rund neun Monaten mehr Anträge als im gesamten Vorjahr.

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Alarm um Wiens Wohnungen

Bei einem Medien-Termin in Währing machten die Grünen erneut auf den Verlust von Wohnraum durch die Umwandlung von Wohnungen in Beherbergungsstätten aufmerksam. Parteivorsitzende Judith Pühringer, Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) und der Grüne Wohnbau-Sprecher Georg Prack forderten ein rasches Schließen bestehender Gesetzeslücken.

Pühringer übte scharfe Kritik an der Stadt: "Wohnungen sind keine Hotels." Bürgermeister Ludwig sei durch sein Zögern für den Verlust von Hunderten Wohnungen verantwortlich. Die Stadt gebe Spekulanten weiter einen "Freibrief".

Elf Wohnungen in Währing betroffen

Auch ein konkreter Fall in der Martinstraße 12 wird angeführt. Dort sollen insgesamt elf Wohnungen in Unterkunftseinheiten umgewidmet werden – bei einer Wohnung ist der Antrag bereits durch, sie wird schon vermietet.

Bezirkschefin Nossek warnt vor einem weiteren Verlust von Wohnraum. Da Währing über kaum neue Stadtentwicklungsflächen verfüge, könne zusätzlicher Wohnraum nur begrenzt geschaffen werden. "Viele Menschen, die hier aufgewachsen sind, wollen hier bleiben oder wieder zurückkehren. Deshalb brauchen wir jede Wohnung als Lebensraum für Menschen, die hier ihr Zuhause schaffen wollen", so Nossek.

Das fordern die Grünen

Die Grünen Wien fordern eine klare Trennung zwischen Wohnraum und touristisch genutzten Unterkünften. Wohnungen sollen demnach in erster Linie den Wienern als Zuhause zur Verfügung stehen – und nicht dauerhaft zu Hotels oder Tourismus-Appartements werden.

Konkret wollen die Grünen, dass Ausnahmebewilligungen für die gewerbliche Kurzzeitvermietung abgeschafft werden. Neue Tourismus-Appartements sollen künftig nicht mehr genehmigt und bestehende Bewilligungen nach Ablauf nicht verlängert werden.

Grüne sehen große Lücken

Der Landtag hat am 20. Oktober strengere Regeln in der Bauordnung beschlossen. Künftig müssen mindestens 80 Prozent eines Gebäudes Wohnraum bleiben, touristische Unterkünfte mindestens drei Zimmereinheiten und einen eigenen Straßenzugang haben. Privatpersonen dürfen ihre Wohnung weiterhin bis zu 90 Tage im Jahr vermieten, allerdings nur eine Wohnung und bei aufrechtem Wohnsitz.

Ab 1. Jänner 2027 kommt zudem ein verpflichtendes Register: Jede Unterkunft braucht eine Registrierungsnummer, die auch in Online-Inseraten angegeben werden muss. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro. Grünen nennen das einen "Schritt in die richtige Richtung", sehen aber große Lücken. Laut ihrer Rechnung könnten rund zehn Prozent aller Wiener Wohnungen weiter umgewandelt werden, insgesamt bis zu 100.000.

Ludwig gegen "besonders Schlaue"

Nach Angaben der Grünen werden in Wien schon jetzt mindestens 14.000 Wohnungen dauerhaft als Tourismus-Apartments genutzt. Das sind mehr Wohnungen, als es in der ganzen Josefstadt gibt. Die geplante Registrierungspflicht für Kurzzeitvermieter finden die Grünen gut, sie komme aber viel zu spät.

Bürgermeister Ludwig bezeichnete Mitte Oktober in einer Aussendung Umwidmungen als Trick von "besonders Schlauen". Die Apartments seien "Schmutz-Konkurrenz zu Hotels und Pensionen". Der Verband der Apartmentvermieter (VDAV) widerspricht: Jede Umwidmung brauche eine Baubewilligung der Stadt und unterliege denselben Auflagen wie ein Hotel. "Wer umwidmet, umgeht keine Regeln", sagt Vorstand Felix Gradinaru.

red, 04.11.2026, 22:30
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