Jetzt spricht Toto Wolff! Nach dem überraschenden Rauswurf von Esteban Ocon bei Haas hat sich der Mercedes-Teamchef erstmals zu den Hintergründen des Formel-1-Eklats geäußert. Der Wiener kennt den Franzosen seit dessen Nachwuchszeit, betreute den Rennfahrer jahrelang. Nun stellt er sich in dem Streit aber klar hinter Haas-Teamchef Ayao Komatsu.
"Am Ende kam es zu einem Punkt, an dem Ayao das Team vertreten und vor einer bestimmten Art von Äußerungen schützen musste", erklärte Wolff am Rande des Grand Prix von Sao Paulo. Ocon selbst habe die Situation völlig anders eingeschätzt: "Auf der anderen Seite hatte Esteban persönlich das Gefühl, mit dem, was er gesagt hatte, nichts falsch gemacht zu haben."
Für den Mercedes-Boss ist dennoch klar, wer in einem Formel-1-Team das letzte Wort hat. "Man muss respektieren, dass am Ende das Team die Entscheidungen trifft. Der Teamchef muss entscheiden, wann es genug ist. Und genau das hat Ayao getan", stellte Wolff unmissverständlich klar.
Auslöser des Streits war das zweite Freie Training beim Mexiko-Grand-Prix. Ocon hatte eine Entscheidung seiner Renningenieurin Laura Müller über Funk infrage gestellt: Ocon sollte einen Longrun statt auf Soft-Reifen auf Mediums fahren, weil sich Teamkollege Oliver Bearman einen Reifensatz kaputt gebremst hatte. Dem Franzosen passte dies gar nicht.
Bei der anschließenden Teambesprechung mit Komatsu soll die Situation eskaliert sein. Haas nahm den Franzosen daraufhin zunächst für den Rest des Wochenendes aus dem Cockpit. Wenige Tage später folgte das endgültige Aus für die verbleibenden vier Saisonrennen.
Besonders bemerkenswert sind Wolffs Aussagen wegen seiner langjährigen Verbindung zu Ocon. Mercedes hatte den heute 30-Jährigen bereits in dessen Nachwuchszeit gefördert. "Über all diese Jahre waren wir, glaube ich, alle sehr unterstützend und haben uns intensiv darum bemüht, Esteban die bestmöglichen Chancen zu verschaffen", erinnerte sich der Wiener. Trotzdem verteidigt er nun die harte Entscheidung von Komatsu.
Zum Schluss verriet Wolff noch eine erstaunliche Geschichte aus Ocons Karriere. Als 2016 bei Manor kurzfristig ein Formel-1-Cockpit frei wurde, waren dafür zwei Millionen Dollar nötig, um den Sitz zu ergattern. Mercedes konnte eine Million aufbringen, die zweite fehlte. "Fred hat das Geld persönlich aufgebracht, um Esteban diese Möglichkeit zu geben", erzählte Wolff über den heutigen Ferrari-Teamchef Fred Vasseur. Der Franzose war damals in Nachwuchsserien aktiv. Ausgerechnet der einst so aufwendig geförderte Pilot steht nach dem Haas-Eklat nun vor einer ungewissen Formel-1-Zukunft.