Die Geschichte hat sich wiederholt. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2018 hat Deutschlands Nationalteam die Gruppenphase nicht überstanden. Ein 4:2-Erfolg am letzten Spieltag gegen Costa Rica reichte nicht zum Aufstieg, weil Spanien zeitgleich gegen Japan mit 1:2 verlor. Zuvor blamierte sich auch die DFB-Elf selbst gegen Japan, verlor mit 1:2, holte gegen Spanien ein 1:1-Remis.
Für Dutt, der einst zwischen 2012 und 2013 Sportdirektor beim deutschen Fußballverband war, ist das neuerliche Aus ein Armutszeugnis, das sich laut dem 57-Jährigen allerdings abzeichnete. Dutt fertigte schon 2012 eine Prognose an, obwohl die DFB-Elf damals noch stark aufgestellt war, zwei Dinge seien bereits damals augenscheinlich gewesen: "Zum einen, dass die Nationen von der Leistungsdichte enger zusammenrücken. Das bedeutet, dass man nicht mehr automatisch Halbfinal-Plätze erreicht. Und zum anderen haben wir damals schon auf eine Problematik in der Defensive hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt waren es vor allem die Außenverteidiger und die Ausbildung klassischer Stürmer", erklärte der amtierende Wolfsberg-Coach bei "Sky".
Auch aktuell sind gerade diese zwei Positionen die größten Problemzonen im DFB. "Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich weiß, dass in der Zwischenzeit Dinge auf den Weg gebracht wurden, aber es ist auch klar, dass es dann vier bis fünf Jahre dauert, bis du die Früchte erntest", erklärte Dutt mit Blick auf die zuletzt kritisierte Ausbildung talentierter Spieler. Dass Bremen-Torjäger Niclas Füllkrug erst auf den letzten Drücker mitgenommen wurde, ohne zuvor ein einziges Länderspiel absolviert zu haben, werteten schon viele als Armutszeugnis für die Nachwuchsausbildung bei unseren Nachbarn. Coach Hansi Flick nun infrage zu stellen, sei deshalb auch nicht angebracht: "Der Trainer ist ganz sicher nicht das Problem, denn dann suchen wir auch in 16 Jahren noch nach einem Weltmeistertitel", meinte Dutt.
Stattdessen übte Dutt heftige Kritik am DFB selbst. Es sei vor zehn Jahren schwer gewesen, den Verband davon zu überzeugen, in die Infrastruktur zu investieren. "Ich habe nun fast zehn Jahre geschwiegen und habe alles ertragen, was man mir vorgeworfen hat, warum ich nach nur einem Jahr den DFB wieder verlassen habe. Aber es waren sicherlich nicht Leute wie Olli (Bierhoff, deutscher Teammanager, Anm.) schuld, die voll mitgezogen haben, sondern viel eher dieser Apparat DFB, in dem viel zu langsam gemahlen wird, dass ich meine Zeit schließlich verschwendet gesehen habe", so Dutt.
Der amtierende Wolfsberg-Coach hofft allerdings, einen ersten Schritt für einen Neuanfang beitragen zu können. "Damals ging gar nichts voran. Ich habe zu diesem Zeitpunkt für mich entschieden, dass ich noch nicht bereit dafür bin, mich am Schreibtisch zu verstecken - vor allem, wenn sich nichts bewegt. Ich habe die Kritik, mich so schnell wieder zurückzuziehen, über mich ergehen lassen. Ich habe jetzt zehn Jahre lang nichts gesagt, aber mit der Möglichkeit, jetzt etwas Öl ins Feuer zu gießen, kann ich möglicherweise dazu beitragen, dass es dieses Mal schneller geht", ergänzte der 57-Jährige, untermauerte, dass es nicht um den Trainer und die sportliche Abteilung gehe, "denn die sind gewillt, schnell etwas aufzutreiben. Der DFB als gesamter Apparat muss sich bewegen", meinte Dutt, der keine Namen nannte, aber festhielt, dass es Personen seien, "die nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Ich wollte nicht zehn Jahre meines Lebens dafür verschwenden, um auf sportpolitischer Ebenen nur die Grundlagen zu schaffen", so Dutt.
Gerade das Füllkrug-Beispiel sei bezeichnend. "Er hat sich super entwickelt, aber er ist auch schon 29 Jahre alt, bei der nächsten WM 33. Wenn das jetzt unsere Lösung ist, dann sagt das alles über die Ausbildung der klassischen Strukturen in Deutschland aus."