Gerhard Zeiler will die SPÖ führen – und fordert damit Parteichef Andreas Babler heraus. Der 71-jährige Medienmanager kündigte am Freitag an, für den Vorsitz kandidieren zu wollen. "Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen", sagte er der "Kronen Zeitung". Nun müsse die SPÖ entscheiden, ob sie ihn an der Spitze haben wolle.
Ein Rückzug Bablers ist vorerst nicht absehbar. Laut APA-Informationen denkt der amtierende Vorsitzende nicht daran, sein Amt zurückzulegen. Erst im März war Babler für weitere drei Jahre wiedergewählt worden. Ein Duell um den Vorsitz könnte daher auf eine Abstimmung unter den Parteimitgliedern hinauslaufen.
"Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin", sagte Zeiler laut ORF. Jetzt müsse die SPÖ klären, ob sie ihn wolle oder nicht. Die Parteizentrale verwies auf die geltenden Statuten: Wer gegen den amtierenden Vorsitzenden antreten wolle, müsse das im vorgesehenen Rahmen tun. Das bedeute eine Abstimmung unter den Mitgliedern.
Dafür gibt es eine konkrete Hürde: Zehn Prozent der SPÖ-Mitglieder müssen eine Direktwahl verlangen, damit Babler auf diesem Weg herausgefordert werden kann. Auch dann könnte er sich bei der Mitgliederentscheidung gegen Zeiler durchsetzen.
Aus den SPÖ-Landesorganisationen kamen am Freitag unterschiedliche Signale. Ein klares Nein zu Zeiler gab es aus dem Burgenland. Salzburgs Parteichef Peter Eder forderte hingegen, die Sozialdemokratie müsse auf Bundesebene rasch wieder zur Ruhe kommen. Der oberösterreichische SPÖ-Chef Martin Winkler wollte die Personalfrage nicht öffentlich kommentieren.
Aus der Steiermark kamen grundsätzlich positive Worte. SPÖ-Landtagsklubobmann Hannes Schwarz bezeichnete Zeiler als ernst zu nehmende Persönlichkeit und verwies auf dessen internationale Erfahrung in der Wirtschaft. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der als Unterstützer Zeilers gehandelt wird, wollte sich ebenso wenig äußern wie Niederösterreichs SPÖ-Chef Sven Hergovich.
Zeiler war bereits früh in der Sozialdemokratie aktiv und arbeitete zunächst im Parteipressedienst. In den 1970er-Jahren wurde er Pressesprecher des damaligen Unterrichtsministers Fred Sinowatz, später übernahm er diese Funktion für Bundeskanzler Franz Vranitzky. 1986 wechselte er in die Medienbranche. Er war unter anderem ORF-Generaldirektor und später in leitenden Funktionen bei RTL und der RTL Group tätig. Zuletzt verantwortete er in den USA das internationale Geschäft von WarnerMedia.
Inhaltlich hat Zeiler in der Vergangenheit unter anderem mehr Wirtschaftskompetenz und neue Ideen für die Sozialdemokratie gefordert. In einem Gastkommentar für "profil" schrieb er, die Regierungsparteien hätten den Mut verloren, den Menschen zuzuhören und ihr politisches Handeln als Zukunftsvision zu vermitteln. Ob und mit welchem Programm er tatsächlich gegen Babler antreten wird, ist noch offen.