Kampf um Parteispitze

Zeiler gegen Babler – so läuft jetzt der SPÖ-Showdown

Die Luft für SPÖ-Chef Babler wird immer dünner. Denn jetzt ist klar: Medienmanager Zeiler steht bereit, ihn abzulösen. Wie der Wechsel laufen könnte.
Angela Sellner
25.09.2026, 15:17
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Der große Showdown in der SPÖ beginnt. Seit Wochen verdichten sich Gerüchte über eine Ablöse von Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler – jetzt ist der Startschuss gefallen.

Gerhard Zeiler, Ex-ORF-Chef und heute internationaler Medienmanager, macht sein Übernahmeangebot offiziell: "Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen", erklärt der 71-Jährige gegenüber "Krone"-Starinterviewerin Conny Bischofberger.

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Zeiler tritt in den Ring

Nachdem sein Name seit Wochen als möglicher Babler-Nachfolger kursiert, sagt Zeiler nun erstmals unmissverständlich, dass er zur Verfügung steht.

„Jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt?“
Gerhard ZeilerMedienmanager

Ob es tatsächlich zu einer Kandidatur kommt, hängt für Zeiler nun von der Partei selbst ab. "Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin. Und jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt?"

Den Boden bereitet für den Zeiler-Knall in der Öffentlichkeit hatte Freitagvormittag bereits SPÖ-Kenner Peter Pelinka. Er hatte bei PULS 24 angekündigt, Zeiler werde sich in Kürze "deklarieren". Pelinka erklärte zudem, der Medienmanager verfüge über Unterstützer in den SPÖ-Landesorganisationen und im Bundesparteivorstand.

Gespräche mit roten Granden

In der Tat dürfte sich Zeiler in den letzten Wochen mit zahlreichen SPÖ-Granden abgestimmt haben. Schon im Juli traf er sich dem Vernehmen nach zum Abendessen mit dem roten Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner. Seither standen einige Gespräche auf höchster roter Ebene am Programm.

So traf sich Zeiler laut "Heute"-Infos jetzt bereits zum zweiten Mal mit dem mächtigen Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Details des Austauschs drangen freilich nicht nach außen.

Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil, deutlicher Kritiker der aktuellen Zustände in der Bundespartei, dementierte freilich zuletzt Berichte, dass er Zeiler seinen "Segen" geben würde. Dem Vernehmen nach ist Doskozil auch von der Art, wie Zeiler nun vorprescht, gar nicht angetan.

"Es muss sich etwas ändern"

Dass sich in der SPÖ angesichts desaströser Umfragewerte von um die 15 Prozent dringend etwas ändern müsse – und zwar auch personell –, ist bei vielen roten Granden unumstritten und wird immer lauter geäußert.

„Es gibt bei 15 Prozent in Umfragen jede Diskussion, sowohl inhaltliche als auch personelle.“
Doris BuresDritte Nationalratspräsidentin und SPÖ-Grande-Dame

Zuletzt hatte die Dritte Nationalratspräsidentin und Grande Dame der SPÖ, Doris Bures, das deutlich geäußert: "Es gibt bei 15 Prozent jede Diskussion, sowohl inhaltliche als auch personelle. Bei 15 Prozent in den Umfragen kann man als Sozialdemokratie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", so Bures gegenüber dem ORF. Bures ist eine prominente Vertreterin der Wiener SPÖ-Landesgruppe; ihr Wort hat Gewicht in der Partei.

Einer Umfrage zufolge droht die SPÖ sogar hinter die Grünen auf Platz vier zu sacken.

Auch in der Gewerkschaft bröckelt der Rückhalt für Babler. Bau-Holz-Vorsitzender Beppo Muchitsch erklärte in einer internen Präsentation, Babler sei "für viele nicht wählbar". ÖGB-Chef Wolfgang Katzian schien vergangenen Sonntag in der ORF-Pressestunde auch nicht mehr unumstößlich hinter Babler zu stehen – wenngleich er betonte, "es würde nichts ändern, nur den Vorsitzenden auszutauschen".

Gut möglich aber, dass die Tage von Andreas Babler an der SPÖ-Spitze nun tatsächlich gezählt sind. Es brauche einen Neustart, erklären Insider gegenüber "Heute" unisono. Die miesen Umfragewerte drücken die Stimmung in der einst so stolzen Partei immer weiter runter.

So reagiert die SPÖ-Zentrale

Das Match Zeiler gegen Babler muss allerdings erstmal geschlagen werden. An einen Rücktritt denkt Babler dem Vernehmen nach nicht. Er war erst heuer im März für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt worden.

„Wenn jemand gegen den aktuellen Vorsitzenden kandidieren will, kann und muss er das im Rahmen der statutarischen Möglichkeiten tun.“
SPÖ-Zentralezu Zeiler-Vorstoß

"Wir werten die aktuellen Aussagen als ein Angebot, das über die Presse kundgetan wird. Konkrete Schritte wurden nicht getätigt", heißt es aus der SPÖ-Zentrale gegenüber "Heute".

Und weiter: "Es gibt in der SPÖ demokratische Prozesse und einen gewählten Vorsitzenden. Wenn jemand gegen den aktuellen Vorsitzenden kandidieren will, kann und muss er das im Rahmen der statutarischen Möglichkeiten tun. Das impliziert eine Abstimmung unter den Mitgliedern."

Zwei Wege an die Spitze

Entscheiden müsste im Fall des Falles die Parteibasis. Die Frage ist, ob Zeiler genug rote Granden aus den Ländern und Teilorganisationen hinter sich versammeln kann, dass der SPÖ-Vorstand zeitnah einen Sonderparteitag beschließt – bei dem Zeiler als Kandidat nominiert würde. Das wäre die eine Möglichkeit. Die andere: Mit Unterschriften von zehn Prozent der Parteimitglieder kann die außertourliche Direktwahl eines Vorsitzenden verlangt werden.

Klar gemacht hat Zeiler jedenfalls: Er stehe zur Verfügung – aber nur, wenn er von der SPÖ gewollt wird.

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Unter SPÖ-Wählern wäre die Partei mit Zeiler für insgesamt 86 Prozent wählbar. 37 Prozent sagen "ganz sicher", weitere 49 Prozent "möglicherweise". Nur 8 Prozent schließen eine Stimme für die SPÖ mit Zeiler aus.

Jetzt reagiert Steirer-SPÖ

Nach Bekanntwerden kam eine der ersten Reaktionen von der steirischen SPÖ. Klubobmann und stellvertretender Landesparteivorsitzender Hannes Schwarz lobte Zeiler als "eine ernstzunehmende Persönlichkeit". Zudem hob Schwarz den internationalen Erfolg des 71-Jährigen in der Wirtschaft hervor.

"Wenn sich jemand mit so einer Expertise und Erfahrung für die Sozialdemokratie einbringen möchte, ist das jedenfalls respektabel", so die Sicht des Klubobmanns. Nun wolle man abwarten, wie sich die Situation auf Bundesebene weiterentwickle. "Für uns steht die inhaltliche Arbeit für die Steiermark im Zentrum", stellte Schwarz klar.

sea,Akt. 25.09.2026, 16:19, 25.09.2026, 15:17