Schlechte Umfragen? Kann man aussitzen. Wahlniederlagen? Kann man schönreden. Böse Medien? Kann man dämonisieren. Die glorreiche Vergangenheit? Kann man beschwören.
Die SPÖ hat all das versucht. Lange genug. Ergebnis? 15,6 Prozent im aktuellen APA-Trend – 5,5 Prozentpunkte unter dem historisch schlechtesten Wahlergebnis von 2024. Im "Heute"-Politbarometer klebt die Rote Laterne – was Negativ-Nennungen betrifft – bei Erfolglos-Vorsitzendem Andreas Babler. 53 Prozent der Befragten ist er zuletzt negativ aufgefallen. Also mehr als jedem Zweiten. Das ist deutlich mehr als beim roten Gottseibeiuns Kickl (32 Prozent Positiv-/43 Prozent Negativnennungen).
Dass die SPÖ mit Babler nicht in die nächste Nationalratswahl gehen kann, räumt mittlerweile jeder Genosse ein. Viele nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand. Wann also wechseln? Will man nicht, dass von der einst so stolzen Partei nur noch der Name übrig bleibt und die Roten auch noch das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten an die unter Leonore Gewessler aufblühenden Grünen verlieren, drängt die Zeit.
Plötzlich heißt der Hoffnungsträger also Gerhard Zeiler. 71 Jahre alt. "Ich glaube, dass ich die richtige Person für die SPÖ bin", sagte er "Krone"-Starinterviewerin Conny Bischofberger. Zeiler sieht auf den ersten Blick nicht nach Zukunftsversprechen aus. Der heillos zerstrittene rote Haufen braucht aktuell aber auch keinen Jungbrunnen, sondern jemanden, der weiß, wie Führung funktioniert.
Gerhard Zeiler weiß das. Er hat gezeigt, dass er große Unternehmen leiten kann. ORF, RTL, Warner Bros. Der Mann kennt Management, Macht, Medien – alles, was Andreas Babler so schmerzlich vermissen lässt. Wer ihn und Babler unlängst hintereinander auf der Bühne bei "Gamechangers next" von Puls4 gehört hat, weiß, was gemeint ist.
Und: Er bringt etwas mit, das in der Politik selten geworden ist. Persönliche Unabhängigkeit. Gerhard Zeiler – Multi-Millionär – muss nichts mehr werden, nichts mehr verdienen; er braucht weder Dienstwagen noch Amt, um seine Zukunft abzusichern.
Das macht ihn für die SPÖ interessant – und für die ÖVP maximal unbequem. Schwer vorstellbar, dass schwarze Ländergranden mit Wahltermin in Sichtweite entspannt darauf reagierten, wäre die Volkspartei nur noch dritte Kraft in Umfragen.
Vor allem: Gerhard Zeiler – der Arbeiter-Bub aus Ottakring – muss sich das Wort Wirtschaftskompetenz nicht erst auf ein Flipchart schreiben lassen. Wie lange kann die ÖVP also zusehen, wenn da jemand neben ihr in der Regierung sitzt, der ihr auf dem ureigensten Terrain das Wasser abgräbt?
Für 43 Prozent wäre eine Zeiler-SPÖ zumindest wieder eine Wahl-Option, erhob "Heute"-Meinungsforscher Peter Hajek unlängst. Freilich wird angesichts der politischen Stimmungslage auch der erfolgreiche Manager keine Bäume ausreißen – sprich Kickl gefährlich werden – können. Bei der Wahl 2024 hat jedoch solide Zweiter werden für den Ballhausplatz gereicht.
Also alles (rosa-)rot? Mitnichten. Mit 71 beginnt selten eine politische Karriere. Zeiler wäre selbstverständlich auch ein Risiko. Aber eines, das die SPÖ eingehen muss, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden will …