Österreichs oberster Gewerkschafter, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, nahm am Sonntag in der ORF-Pressestunde Stellung zu den Turbulenzen in seiner Partei der SPÖ. Wie berichtet, wird die Stimmung bei den Roten zunehmend "explosiv", Forderungen nach einer Ablöse von Andreas Babler als SPÖ-Chef werden immer lauter.
Der mächtige Gewerkschaftsboss hatte sich in der Vergangenheit stets klar hinter Babler gestellt. Angesichts der immer desaströseren Umfragewerte der Sozialdemokraten – die SPÖ dümpelt bei 15 Prozent dahin – scheint die Mauer für Babler aber auch bei Katzian etwas zu bröckeln.
Eine "Explosion" in der SPÖ ortet Katzian freilich nicht. Und offene Kritik an Babler kam ihm nicht über die Lippen: "Wir haben einen gewählten Parteivorsitzenden", erklärte Katzian knapp. Beim Blick auf die Umfragen könne man aber "nicht zur Tagesordnung übergehen".
"Aber es ändert sich nichts, wenn man nur den Parteivorsitzenden austauscht", erklärt er klipp und klar.
Deutlicher war zuletzt Bau-Holz-Gewerkschafter Beppo Muchitsch geworden. Er hatte in einer internen Präsentation dargelegt, Babler sei "für viele nicht mehr wählbar". Katzian dazu: Muchitsch habe eine Debatte angestoßen über Optionen, wie die Partei aus dem Tief herauskomme. "Am Ende des Tages ist das immer auch eine personelle Frage. Aber das heißt nicht, dass man jemanden, der jetzt im Amt ist, in die Luft schießt."
Er diskutiere leidenschaftlich gern öffentlich über Inhalte, so Katzian. Alles andere gehöre "ins Wohnzimmer", also in die Parteigremien, "und nicht auf den Balkon". "Ich habe immer gesagt, ich bin Team Wohnzimmer", erklärt der Gewerkschaftschef. Dass die Spielfläche zunehmend der Balkon geworden sei, sei ein großes Problem.
Für die SPÖ gehe es jetzt darum, Vertrauen zurückzugewinnen, Vorhaben umzusetzen, ein klares inhaltliches Bild zu vermitteln, statt nur mit Personaldebatten aufzufallen.
"Wenn man die Vision hat, wo es hingeht – dann braucht es die Person."
Nur mit klaren Inhalten und Ergebnissen könne man den Höhenflug der SPÖ stoppen, so Katzian. Am Kurs der Freiheitlichen, die Unzufriedene aufsammeln würden, ohne selbst Lösungen anzubieten, übte Katzian einmal mehr scharfe Kritik.