Für Wien wird es diese Woche ernst: Bei der UNESCO-Welterbekonferenz im südkoreanischen Busan steht erneut der Welterbestatus der historischen Innenstadt auf dem Prüfstand. Im Mittelpunkt steht einmal mehr das umstrittene Heumarkt-Projekt rund um Hotel Intercontinental, Eislaufverein und Konzerthaus.
Seit 2017 steht das historische Zentrum Wiens wegen der geplanten Hochhausbebauung auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten. Daran dürfte sich vorerst wenig ändern. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), der die UNESCO berät, empfiehlt in seiner aktuellen Entscheidungsgrundlage, Wien weiterhin auf der Liste zu belassen.
Zwar wurde das Projekt in den vergangenen Jahren mehrfach überarbeitet. Die ursprünglich geplante Turmhöhe von 73 Metern wurde auf knapp 50 Meter reduziert. Dennoch sehen die Welterbe-Experten ihre Bedenken bislang nicht ausgeräumt. Zusätzlich entschied das Bundesverwaltungsgericht heuer, dass für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist. Dagegen geht Projektentwickler Wertinvest mit einer außerordentlichen Revision vor.
Zuletzt sorgten Berichte für Aufsehen, wonach Bund und Stadt Wien hinter den Kulissen intensiv für eine Streichung von der Roten Liste geworben haben sollen. Demnach seien unter anderem ein von Wertinvest produzierter Imagefilm sowie diplomatische Kontakte genutzt worden, um andere Mitgliedsstaaten zu überzeugen.
Kritik daran kommt aus der Opposition. Die FPÖ erklärte: "Die Fachgremien lassen sich weder von Imagefilmen noch von Hinterzimmerdiplomatie beeindrucken." Auch die Wiener Grünen mahnen, der Welterbestatus sei nicht durch politische Überzeugungsarbeit zu retten. "Wer den Welterbe-Status der Wiener Innenstadt erhalten will, muss die offenen Aufgaben ernsthaft angehen. Es braucht konkrete Maßnahmen statt Symbolpolitik", betonen Jennifer Kickert, Grüne Gemeinderätin, und Alexander Hirschenhauser, Klubobmann Grüne Innere Stadt.
Ob Wien tatsächlich von der Roten Liste gestrichen wird, entscheidet das UNESCO-Welterbekomitee voraussichtlich ab Dienstag. Sollte kein Konsens erzielt werden, braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 21 Mitgliedsstaaten. Österreich selbst ist in dem Gremium nicht vertreten.