Knalleffekt am Donnerstag: Der Leiter des Wiener Marktamts trat zurück. Dennoch geht die Aufarbeitung weiter. Jetzt rückt auch der Umgang der Stadt Wien mit den schweren Vorwürfen gegen den langjährigen Abteilungsleiter in den Fokus.
Wie "Heute" berichtete, sieht sich Andreas Kutheil – er leitete acht Jahre lang die Magistratsabteilung 59 – mit Vorwürfen wegen Sexismus, Rassismus und Mobbing konfrontiert. Mehrere Beschäftigte schilderten einen von Angst geprägten Arbeitsalltag.
Zu den dokumentierten Vorfällen zählt laut "Falter" eine Weihnachtsfeier im Jahr 2023. Dort soll sich Kutheil lautstark darüber beschwert haben, das "N-Wort" nicht mehr verwenden zu dürfen - und zwar in unmittelbarer Nähe einer schwarzen Kollegin. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
"Heute" liegen neue Informationen von mehreren betroffenen Mitarbeitern vor, die anonym bleiben möchten. Sie kritisieren, dass die bekannten Beschwerden intern in der Stadtverwaltung nur sehr zögerlich behandelt wurden und werden.
Nach ihrer Darstellung sei der Bericht des Unabhängigen Bedienstetenschutzbeauftragten bereits am 29. Juni dem Magistratsdirektor und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling vorgelegt worden. Erst acht Tage später habe sich die Interne Revision mit dem Fall befasst. Als Begründung seien "personelle und zeitliche Engpässe" genannt worden, unter anderem mit dem Hinweis, man sei "natürlich auch von den Einsparungen betroffen".
Besonders für Unverständnis sorgt bei den Betroffenen, dass nach Beginn der öffentlichen Berichterstattung plötzlich doch persönliche Einvernahmen organisiert werden konnten. Aus ihrer Sicht stellt sich deshalb die Frage, weshalb zuvor auf fehlende Ressourcen verwiesen worden sei.
Die Mitarbeiter kritisieren außerdem, dass trotz der aus ihrer Sicht umfangreichen Vorwürfe zunächst weder eine Freistellung erfolgt, noch disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet worden seien. Dadurch sei bei vielen der Eindruck entstanden, dass für Führungskräfte andere Maßstäbe gelten könnten.
Die Stadt Wien widerspricht dieser Darstellung gegenüber "Heute". Demnach seien die aktuellen Vorwürfe am 29. Juni in der Magistratsdirektion eingelangt. Aber, so das Rathaus, bereits am 2. Juli sei der Auftrag an die Interne Revision erteilt worden.
"Mit der Prüfung wurde somit sofort und nicht erst am 07. Juli begonnen", heißt es. Auch die zuständige Stadträtin und Vizebürgermeisterin sei unmittelbar über den Prüfauftrag informiert worden.
Auf weitere konkrete Vorwürfe gegen den ehemaligen Chef der MA59 erhält "Heute" keine Reaktion: "Zu Einzelpersonalangelegenheiten kann aus Datenschutzgründen keine Auskunft gegeben werden."
Nach Angaben der Magistratsdirektion werden die laufenden Erhebungen sämtliche Hinweise und Vorwürfe prüfen. Die Ergebnisse der Untersuchung seien abzuwarten. Bis dahin will die Stadt keine weiteren Stellungnahmen zur Causa abgeben.