Die Justizwache steht personell massiv unter Druck. Aktuelle Zahlen des Justizministeriums nach einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ zeigen: Die 3.268 besetzten Planstellen in Österreichs 29 Justizanstalten kamen im Vorjahr auf insgesamt 286.137 Überstunden.
An der Spitze steht die Justizanstalt Wien-Josefstadt mit 51.789 Überstunden. Danach folgen die steirischen Gefängnisse Graz-Jakomini mit 23.884 und Graz-Karlau mit 19.968 Überstunden. In beiden Anstalten stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um jeweils mehr als 1.000 Stunden. Auch in Klagenfurt nahm die Belastung deutlich zu: Dort kletterten die Überstunden von 6.460 im Jahr 2024 auf 8.348 im Jahr 2025.
Insgesamt sind in Österreichs Justizanstalten 3.440 Planstellen vorgesehen. Besetzt sind davon nur rund 3.268 – damit fehlen mindestens 172 Mitarbeiter.
Noch mehr Personal wäre laut FPÖ-Mandatar Christian Lausch nötig. Er geht von 300 bis 400 zusätzlichen Planstellen aus. Neue Stellen wird es allerdings vorerst nicht geben. Wegen der Budgetkonsolidierung seien für 2027 und 2028 im Bundesdienst keine zusätzlichen Planstellen vorgesehen, heißt es aus dem Justizministerium.
Auch die Personalabgänge verschärfen die Lage. Heuer haben bzw. werden laut Ministerium 135 Mitarbeiter den Justizwachdienst verlassen. 33 gehen vorzeitig in Pension, 26 werden wegen Dienstunfähigkeit versetzt, 24 treten überhaupt aus dem Dienst aus.
Parallel dazu sitzen mehr Menschen in Österreichs Gefängnissen, als eigentlich Platz wäre. Mit Stichtag 1. August waren 9.181 Personen inhaftiert. Die reguläre Kapazität liegt bei 8.411 Plätzen – die Auslastung beträgt damit 109,15 Prozent. Besonders eng ist es in der Justizanstalt Wien-Josefstadt: Dort sitzen 1.122 Menschen, obwohl die Anstalt für 754 ausgelegt ist. Auch Wien-Simmering und Graz-Jakomini sind deutlich überbelegt.
In Graz-Jakomini sitzen statt der vorgesehenen 368 insgesamt 448 Menschen – eine Überbelegung von 21,74 Prozent. Die Justizanstalt Klagenfurt steht im Vergleich besser da: Dort waren 300 Menschen bei einer Kapazität von 297 untergebracht.
Zusätzlicher Druck kommt vom Budget, wie die "Kleine Zeitung" berichtet. Für 2027 hatte das Justizministerium rund 819,8 Millionen Euro beantragt, genehmigt wurden rund 757 Millionen. Für 2028 standen einem Antrag von 847,4 Millionen Euro letztlich rund 741,6 Millionen Euro gegenüber.
Zwar darf das Ministerium in beiden Jahren jeweils rund 30 Millionen Euro mehr für medizinische Versorgung, Unterbringung und bauliche Maßnahmen ausgeben. Welche geplanten Projekte deshalb verschoben oder gestrichen werden müssen, sei derzeit allerdings noch nicht vollständig absehbar.