Alexander Zverev (29) hat in Wien gleich doppelt Grund zur Freude. Der Deutsche steht ab Montag erstmals an der Spitze der Tennis-Weltrangliste und könnte schon bald einen Rekord seines Landsmannes Boris Becker (58) brechen. Dass er ausgerechnet seinen langjährigen Kritiker überholen kann, sorgt beim Hamburger für ein breites Grinsen.
"Eine Woche mehr als Boris? Sehr gut. Dann hat sich ja der Sieg gelohnt", scherzte Zverev nach seinem Achtelfinal-Erfolg bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle.
Der Olympiasieger von Tokio ist nach Becker erst der zweite Deutsche, der seit Einführung der Weltrangliste 1973 die Nummer eins erreicht. Becker stand vor 35 Jahren insgesamt zwölf Wochen an der Spitze. Bleibt Zverev bis zum Finale der Australian Open am 31. Jänner 2027 vorne, würde er diese Marke mit 13 Wochen übertreffen.
Das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Tennis-Stars ist seit Jahren angespannt. Becker kritisierte Zverev immer wieder öffentlich, bezeichnete sich gleichzeitig aber als dessen größten Fan. Auch als Trainer brachte sich die Tennis-Legende mehrfach ins Gespräch. Eine Zusammenarbeit kam nie zustande.
Bereits vor dem Turnier in Wien hatte Zverev eine deutliche Botschaft an seinen Kritiker gerichtet, ohne Becker beim Namen zu nennen.
"Mich hat immer nur einer die vergangenen Jahre kritisiert, so seit drei Jahren. Und das interessiert mich wenig. Immer, wenn er was gesagt hat, ist das Gegenteil passiert, damit kann ich sehr gut leben."
Besonders Zverevs Zusammenarbeit mit seinem Vater Alexander senior (66) war Becker lange ein Dorn im Auge. Der frühere Wimbledon-Sieger hatte dem Hamburger mehrfach geraten, sich einen neuen Trainer zu suchen. Zverev hielt allerdings an seinem Vater fest.
Auch seine defensive Spielweise wurde regelmäßig kritisiert. Nach der Saison 2025 stellte Zverev sein Spiel tatsächlich offensiver auf, allerdings nach eigenen Angaben aufgrund interner Gespräche.
"Wir haben uns im Team zusammengesetzt und besprochen, was wir machen. So, wie ich gespielt habe, war mir klar, dass ich an Jannik Sinner und Carlos Alcaraz nicht rankomme", erklärte der Deutsche.
Trotz der gegenseitigen Spitzen zeigte sich Becker zuletzt versöhnlich. Auf X gratulierte er Zverev zum Sprung an die Weltspitze und verteidigte ihn auch gegen Vorwürfe, er profitiere lediglich von den längeren Pausen seiner Konkurrenten Sinner und Alcaraz.
Zverev selbst hat jedenfalls nicht vor, seinen neuen Platz an der Spitze schnell wieder abzugeben. "Ich müsste jetzt schon relativ schlecht spielen, damit ich die Nummer 1 schnell verliere. Ich hoffe, dass das nicht der Fall sein wird, sondern dass ich weiterhin meine Leistung steigern kann und konzentriert bleibe. Das ist für mich die Motivation."