Eine internationale Expertenkommission warnt vor 17 großen Gefahren für die Gesundheit der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100. Besonders drastisch sind die möglichen Folgen eines Atomkriegs und des Missbrauchs künstlicher Intelligenz. Beide Szenarien könnten theoretisch zum Aussterben der Menschheit führen. Die Fachleute betonen allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse derzeit gering sei.
Wie der britische "Guardian" berichtet, haben 35 Experten die Risiken im Rahmen einer Untersuchung für die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" bewertet. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Bedrohungen in den kommenden Jahrzehnten besonders schwerwiegende Folgen haben könnten und wo Gegenmaßnahmen notwendig sind.
Bei einem großen Atomkrieg könnten gewaltige Mengen an Partikeln in die Atmosphäre gelangen. Diese könnten einen Teil des Sonnenlichts blockieren und dadurch die Erde stark abkühlen. Die Folgen wären möglicherweise verheerend: Ernten könnten weltweit ausfallen, die Lebensmittelversorgung zusammenbrechen und Hungersnöte entstehen.
Auch künstliche Intelligenz birgt laut der Kommission erhebliche Risiken. Besonders im Fokus steht der mögliche Missbrauch der Technologie zur Entwicklung biologischer Waffen. KI könnte gefährliches Wissen zugänglicher machen und damit die Entwicklung solcher Waffen erleichtern.
Die Forscher stellen beide Szenarien als mögliche existenzielle Bedrohungen dar. Sie sagen jedoch nicht voraus, dass es tatsächlich zu einem solchen Ereignis kommen wird. Entscheidend sei, die Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.
Die Untersuchung umfasst neben Atomkrieg und KI-Missbrauch auch zahlreiche bekannte Gesundheits- und Umweltprobleme. Dazu zählen der Klimawandel, Pandemien, Luftverschmutzung und Antibiotikaresistenzen. Auch Unterernährung bei Kindern, bewaffnete Konflikte und Kürzungen der Entwicklungshilfe werden als Risiken genannt.
Darüber hinaus beschäftigen sich die Experten mit Übergewicht, psychischen Erkrankungen, Rauchen und Alkoholmissbrauch. Bluthochdruck, Einkommensungleichheit, mangelnde Bildung und gesundheitliche Probleme im Alter gehören ebenfalls zu den 17 untersuchten Bedrohungen.
Die Liste macht deutlich, dass nicht nur einzelne Katastrophen, sondern auch langfristige gesellschaftliche und gesundheitliche Entwicklungen die Lebensqualität und Lebenserwartung von Milliarden Menschen beeinflussen können.
Besonders deutlich fallen die Berechnungen zum Klimawandel aus. Würde sich die Erderwärmung auf 1,8 Grad begrenzen lassen, könnten bis zum Jahr 2100 weltweit rund 1,89 Milliarden gesunde Lebensjahre gerettet werden. Die Vergleichsgröße ist ein Szenario, in dem sich die Erde um 4,4 Grad erwärmt.
Bei diesen gesunden Lebensjahren handelt es sich um eine rechnerische Größe. Sie berücksichtigt sowohl Lebenszeit, die durch einen vorzeitigen Tod verloren geht, als auch Jahre, die Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringen. Die Zahl beschreibt somit keine zusätzlichen Lebensjahre einzelner Personen, sondern die aufsummierten Folgen für die Weltbevölkerung.
Auch Kürzungen der internationalen Gesundheitshilfe könnten laut den Modellrechnungen massive Auswirkungen haben. Bis 2100 könnten dadurch bis zu 1,5 Milliarden gesunde Lebensjahre verloren gehen. Fast 70 Prozent dieser Belastung würden demnach auf Afrika südlich der Sahara entfallen.
Trotz der drastischen Szenarien wollen die Fachleute keine Panik verbreiten. Für jede der 17 Bedrohungen gebe es Möglichkeiten, die Risiken zu reduzieren. Dazu zählen Investitionen in Gesundheitssysteme, die Entwicklung neuer Technologien und eine bessere Vorbereitung auf Krisen.
Die Ergebnisse sollen beim World Health Summit in Berlin vorgestellt werden. Künftig soll die Untersuchung jährlich aktualisiert werden. Damit wollen die Verantwortlichen verfolgen, wie sich die globalen Risiken entwickeln und wo zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind.