Vor knapp vier Jahren marschierten russische Truppen in die Ukraine ein – und erschütterten damit die europäische Sicherheitsordnung. Der Angriff auf die Ukraine wurde zur außenpolitischen Zeitenwende, die das geopolitische Gleichgewicht nachhaltig verschob. Vieles hat sich seither verändert. Eines jedoch nicht: Der Krieg dauert an – brutal, zermürbend und ohne absehbare Friedenslösung.
"Heute" traf den ukrainischen Botschafter in Österreich, Vasyl Khymynets, zum Gespräch. "Niemand wünscht sich den Frieden so sehr wie die Ukrainer", sagt er im Talk (Video in voller Länge unten). Außerdem spricht der Botschafter über:
"An der Frontlinie hat sich im letzten Jahr kaum etwas verändert. Aber im Hintergrund passieren viele Dinge, die wir nicht sehen. Nur im Dezember hat Russland 35.000 Soldaten verloren, gegen russische Ölfirmen wie Lukoil wurden Sanktionen verhängt, russische Tanker wurden gekapert. Russland zahlt also einen enorm hohen Preis."
"Für die Menschen in der Ukraine ist es der schlimmste Winter in der Geschichte. Viele Menschen sind ohne Strom, ohne Heizung und übernachten in U-Bahn-Stationen, weil es dort wärmer ist. Wir nennen diesen Winter einen "Terrorwinter", den Russland gegen die Menschen führt. Kein einziges Elektrizitätswerk wurde von russischen Einschlägen verschont. Seit Oktober haben wir fast 9 Gigawatt Strom-Generation verloren.“
"Die Ukraine hat von Anfang an den von US-Präsident Trump vorgeschlagenen Waffenstillstand befürwortet. Wir sehen aber, dass die russische Seite überhaupt kein Interesse hat, diesen Krieg zu stoppen. Für Putin ist der Krieg die einzige Chance, politisch zu überleben. Wir müssen also gemeinsam mit Europa und den USA den Druck auf Putin erhöhen, damit der Preis für ihn, den Krieg weiterzuführen, unbezahlbar wird."
"Es geht nicht um Gebiete. Wir sehen, dass viele Gebiete in Russland vernachlässigt und nie richtig benutzt werden. Putin braucht also keine Gebiete, er braucht menschliche Ressourcen, um unter russischer Flagge weiter Richtung Europa zu marschieren.“
"Wir sind bereit für ein Treffen mit Putin. Selenskyj hat immer gesagt, dass er Gespräche mit Putin befürwortet. Aber Putin will bis heute nicht mit Selenskyj sprechen. Erst, wenn Putin keine Alternativen mehr hat, wird dieses Gespräch stattfinden. Wir sind jedenfalls bereit für ein solches Gespräch.“
"Gleich nach Kriegsbeginn haben Gespräche stattgefunden. Wir wollten verstehen, wieso die Russen uns angegriffen haben. Russland hat auf uns damals sehr starken Druck gemacht, sie waren mit den Panzern schon in den Vororten von Kiew. Die Russen haben eine Kapitulation mit konkreten Konditionen verlangt, doch dafür war niemand von uns bereit."
"Ich bin dem österreichischen Volk sehr dankbar, dass man von Anfang an Größe gezeigt hat und sie uns weiter helfen. Diese Dankbarkeit werden wir nie vergessen. Für uns ist es wichtig und dringend, aufgrund der aktuellen Situation, weitere Unterstützung direkt für die Menschen zu erhalten. Wir haben mit der Volkshilfe und weiteren Organisationen eine Initiative unter dem Motto 'Wärme für die Ukraine' gestartet. Jeder Euro hilft. Eines Tages wird der Wiederaufbau beginnen und wir rechnen damit, dass die österreichische Wirtschaft die Chance bekommen, hier mitzuhelfen.“
"Es ist ungewöhnlich, wie sie sich gegen ihr eigenes Land und gegen das Völkerrecht positioniert. Sie ist eindeutig auf der Seite des Aggressors. Für uns Ukrainer, die durch den Krieg fürchterlich leiden müssen, ist klar: Diese Dame hat sich von den Russen instrumentalisieren lassen, um den Krieg zu legitimieren, das ist wirklich zynisch und unmenschlich.“
"Die Standhaftigkeit der Ukrainer, die Stärke unserer Streitkräfte und die Verluste von Russland. Die Situation um Russland erinnert mich an die letzten Jahre der Sowjetunion, als keiner damit gerechnet hat, dass alles so schnell kollabiert. Ich selbst war damals in der Sowjetunion. Außerdem ist die Ukraine nicht alleine."