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27. Februar 2019 15:37; Akt: 27.02.2019 16:59 Print

Doping-Eklat: "Dümmer geht es nicht mehr"

Die Nordische WM in Tirol wird von einem Doping-Skandal erschüttert. Mittendrin: zwei Österreicher. Sportminister und Trainer sind erschüttert.

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Die Dramen und Skandale des Sport-Jahres 2018 zum Durchklicken. Der Fall Toni Sailer erschütterte Österreich unmittelbar vor den Hahnenkammrennen 2018 in Kitzbühel. Der "Blitz aus Kitz" soll demnach 1974 in Zakopane eine Frau vergewaltigt haben. Erst nachdem sich der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky einschaltete, kam Sailer zurück nach Österreich, hieß es. Die österreichische Ski-Legende ist am 24. August 2009 verstorben. Markus Schairer sorgte für eine Schrecksekunde bei den Olympischen Spielen! Der Snowboarder brach sich beim Snowboard-Cross das Genick. Nach der schweren Verletzung musste er seine Karriere beenden. Skandal im Wiener Derby! Raphael Holzhauser wurde von den Rapid-Anhängern mit Feuerzeugen und Bechern beworfen, das Spiel stand mehrere Male vor dem Abbruch. Am 9. Juni brach die Welt von Bode Miller und seiner Frau Morgan zusammen. Ihre erst 19-monatige Tochter Emeline ertrank während einer Party bei Freunden im Pool. Der sofort alarmierte Notarzt konnte die kleine "Emmy" nicht mehr wiederbeleben. Seither setzt sich vor allem Mutter Morgan für Maßnahmen ein, um Kinder vor dem Ertrinken zu bewahren. Die beiden deutschen Teamspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan sorgten mit diesen Fotos für einen Skandal in Deutschland. Die beiden DFB-Teamspieler überreichten dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan Fußball-Trikots. Und das unmittelbar vor der WM in Russland. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte empört, vor allem, weil die WM danach völlig in die Hose ging. Aus der Traum! Liverpool musste sich gegen Real Madrid im Champions-League-Finale 1:3 geschlagen geben. Besonders Bitter: Goalie Loris Karius leitete die Pleite mit zwei schweren Patzern ein. Ausgerechnet im Heimrennen kam der Wendepunkt für Sebastian Vettel. Der Deutsche crashte seinen Ferrari auf dem Weg zum Sieg am Hockenheimring. Lewis Hamilton wurde am Ende überlegen F1-Weltmeister. Krokodilstränen in Deutschland! Zum ersten Mal in der Geschichte schied die DFB-Elf schon in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft aus. Bode Miller und seine Ehefrau Morgan trauern um die kleine Emeline. Die gemeinsame Tochter ertrank im Juni 2018 im Alter von nur 19 Monaten in einem Pool. Der größte Skandal der Motorsport-Welt: Moto2-Pilot Romano Fenati sorgte beim Rennen in Misano für einen handfesten Skandal. Bei einem Überholmanöver mit 230 km/h zog Fenati die Bremse seines Konkurrenten Stefano Manzi. Der Italiener wurde gesperrt und von seinem Rennstall Marinelli Snipers rausgeworfen. Nicht schon wieder! Red Bull Salzburg vergab im Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad eine 2:0-Führung und schaffte es abermals nicht in die Champions League. Im August 2018 bangte ganz Österreich um Niki Lauda! Der 69-Jährige musste sich am 2. August einer Lungentransplantation im Wiener AKH unterziehen. In den Tagen davor war Lauda nur durch künstliche Beatmung am Leben gehalten worden. Sportlich läuft es auch 2018 rund für Cristiano Ronaldo, doch hartnäckige Vergewaltigungsvorwürfe verfolgen CR7. Er soll eine Kellnerin zum Sex gezwungen haben. Schock in der WWE! Als Universal Champion musste Roman Reigns abtreten - er hat Leukämie. Ein Rücktritt soll es aber nicht sein, er möchte sich zurückkämpfen und wieder in den Ring steigen. Ganz Deutschland trauerte um Graciano Rocchigiani. Der ehemalige Box-Weltmeister kam am 1. Oktober auf Sizilien ums Leben. Der 55-Jährige hatte im angetrunkenen Zustand eine Schnellstraße überquert, wurde dabei von einem Auto verfasst. Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov lieferten sich einen packenden UFC-Fight. Auch nach dem Kampf flogen die Fäuste: "The Eagle" sprang über den Käfig und prügelte sich mit Betreuern von McGregor. Am 24. Oktober holten neuerlich Missbrauchsvorwürfe den ÖSV ein. Ein hochrangiger Trainer im österreichischen Skiverband wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Ihm werden sexuelle Übergriffe vor seiner Tätigkeit im Skiverband vorgeworfen. "Es gibt Vorfälle, die mögen juristisch verjähren, moralisch aber nicht", hatte der Skiverband erklärt. Diese Pressekonferenz hat so richtig für Schlagzeilen gesorgt. Am 19.10. teilten die Bayern-Bosse Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hassan Salihamidzic in einer halbstündigen Rede gegen die Medien aus. Rummenigge beschwor das deutsche Grundgesetz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Nur Minuten später polterte Hoeneß gegen Ex-Spieler Juan Bernat: "Was der für einen Scheißdreck gespielt hat." So sieht die Würde des Menschen in München aus... Beim berüchtigten Rennen in Macau kam es zum wohl schlimmsten Crash des Jahres. Die Deutsche Jasmin Flörsch krachte mit Vollgas in eine Absperrung und musste stundenlang notoperiert werden. Tragödie im Schweizer Ski-Team. Am 4. November verunglückte das hoffnungsvolle Talent Luca Barandun bei einem tragischen Paragleit-Unfall. Der 24-jährige Schweizer war in einem Schulungsflug unterwegs. Vor dem Wiener Derby am 16. Dezember kam es zum Fan-Skandal. Rapid-Anhänger warfen Gegenstände auf die Autobahn und wurden danach stundenlang von der Polizei bei Minusgraden eingekesselt.

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Die Heim-WM in Seefeld wird von einem Doping-Skandal überschattet. Bei 16 Polizeidurchsuchungen in Österreich und Deutschland kam es zu neun Festnahmen. Zwei davon sind heimische Athleten.

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Das wurde am Mittwoch rund um die nordische Ski-WM bekanntgegeben, vom Bundeskriminalamt offiziell bestätigt.

Bei den beiden ÖSV-Athleten handelt es sich um Dominik Baldauf und Max Hauke. Sie wurden im Langlauf-Teamsprint überraschend Sechste. Ihre Identität gab Sportdirektor Markus Gandler in einer ersten Stellungnahme bekannt – es gilt freilich die Unschuldsvermutung.

Im ÖSV-Lager zeigt man sich erschüttert. "Dümmer geht es nicht mehr, tiefer kann man gar nicht mehr fallen", sagt Alois Stadlober, einstiger Langlauf-Star. Auch Sportminister Heinz-Christian Strache meldete sich bereits zu Wort. Hier alle Reaktionen im Überblick.

Heinz-Christian Strache (Sportminister):
"Ich bin an der lückenlosen Aufklärung interessiert, werde aber die Ergebnisse dieser Ermittlungen abwarten, ehe geprüft wird, ob zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der sauberen und fairen Sportlerinnen und Sportler eingeleitet werden müssen."

Markus Gandler (Sportliche Leiter im ÖSV für Langlauf und Biathlon):
"Es hat sich herausgestellt, dass an mehreren Stellen Athleten erwischt worden sind bei unerlaubten Methoden oder beim Dopen. Leider, das macht mich betroffen, sind zwei Athleten von uns dabei. Sie sind in Haft genommen worden, Baldauf und Hauke. Sie sind momentan weg, ich habe sie nicht mehr gesehen."

"Das ist ein harter Schlag für den Langlauf im allgemeinen. Ich stehe unter Schockstarre. Es ist ja nicht das erste Mal, und wie es ausschaut nicht das letzte Mal."

Alois Stadlober (Langlauf-Experte im ORF sowie Vater der WM-Starter Teresa und Luis):
"Dümmer geht es nicht mehr, und tiefer kann man gar nicht mehr fallen. Ich glaube, wir waren mit dem österreichischen Langlauf schon tief, dann sind wir noch tiefer gefallen, und ich weiß gar nicht, wie tief es noch hinuntergeht. Das ist nicht nachvollziehbar, man kennt die betroffenen Sportler. Sie wissen, was auf einen einstürzt, was auf einen Johannes Dürr eingestürzt ist, was der alles verloren hat. Markus Gandler hat es angesprochen: Für diese bescheidenen Erfolge diesen Weg zu gehen, ist unvorstellbar."

Stadlobers Kinder Teresa und Luis sind selbst Teil des ÖSV-Langlauf-Teams. Über sie sagt der 56-Jährige: "Luis läuft heute, der ist durch den Wind. Ich habe gesagt, 'Luis du läufst'. Die ehrlichen Sportler müssen an den Start. Ich habe ihm gesagt, 'danke Luis, dass du auch mit schlechten Leistungen den richtigen Weg gegangen bist. Ehrlichkeit währt am längsten, das freut mich'. Es sind alle am Boden zerstört. Auch mit Teresa habe ich gesprochen, aber das muss man jetzt erst verarbeiten, was da wieder auf uns hereinprasselt. Das ist jetzt der Super-GAU, eigentlich ist jeder hilflos."

Trond Nystad (ÖSV-Langlauf-Koordinator):
"Für mich ist es nur traurig, ich habe keine Worte dafür. Ich habe gedacht, dass die Leute aus der Vergangenheit etwas gelernt haben, dass Doping und Sport nicht zusammengehören. Ich fühle mich verarscht. Wir arbeiten hier Tag und Nacht und probieren schnelle Ski und alles, und dann passiert so was. Ich stehe für sauberen Sport. Ich muss nicht mit einem Verband arbeiten, ich habe gar nichts gemerkt. Ich hoffe, dass die Jungs Eier genug haben zu sagen, wer dahintersteckt. Ich erwarte, dass sie Männer genug sind und alles erzählen, alle gehören bestraft."


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(red)

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