Niedrigverdiener sollen in Zukunft Arbeitslosenversicherungsbeiträge zahlen (wir berichteten), die Familienleistungen werden 2026 und 2027 nicht an Inflation oder Teuerung angepasst: Das würde das soziale Netz laut Caritas immer weiter ausdünnen.
"Rund 11.600 Menschen in Niederösterreich sind auf Sozialhilfe angewiesen. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Familien, die abends überlegen, ob sie die Heizung aufdrehen oder Strom sparen. Alleinerziehende, die ihren Kindern erklären müssen, warum sie beim Schulausflug nicht dabei sein können", so Hannes Ziselsberger, Direktor von der Caritas der Diözese St. Pölten (NÖ).
Das Sozialsystem helfe zwar vielen Personen, es reiche aber laut dem Direktor nicht mehr aus, um alle Notsituationen auszugleichen. "Armutsgefährdete Menschen leben einkommensmäßig auf dünnem Eis. Und die diskutierten Einschnitte machen dieses Eis noch dünner", erklärt Ziselsberger.
In Niederösterreich werden, laut Angaben der Caritas, lediglich 0,64 Prozent des Landesbudgets für Sozialhilfe ausgegeben (60 Millionen Euro von 9,4 Milliarden Euro). Der Bezug lag im Durchschnitt bei 786 Euro monatlich für durchschnittlich 8,1 Monate. 190.000 Personen in Niederösterreich sind armutsgefährdet, 67.000 leben in "absoluter Armut".
"Jede Ankündigung der Politik, bei der Sozialhilfe sparen zu wollen, bringt keine Millionen ins Budget, sondern erhöht den Druck auf Menschen, die ohnehin nicht viel zum Leben haben", erklärt Christoph Riedl, Generalsekretär für Solidarität, Kommunikation & Soziales bei der Caritas St. Pölten & NÖ-West.
Tamara Majnek, Armutsexpertin und Fachbereichsleiterin der Caritas Inlandshilfe, erläutert: "Menschen sparen längst nicht mehr irgendwo zusätzlich. Sie sparen beim Essen, beim Heizen oder an sozialer Teilhabe. Viele ziehen sich zurück, weil selbst kleine Ausgaben nicht mehr möglich sind."
Sozialhilfe dürfe nicht entmutigen oder noch zusätzlich Druck erzeugen. "Sie soll absichern und Menschen dabei unterstützen, Schritt für Schritt wieder Fuß zu fassen", so Majnek.
Circa 3.000 Freiwillige aus den Pfarren helfen bei der 76. Caritas-Haussammlung mit. "Diese große Aktion der Solidarität kann es nur geben, weil viele Haussammler*innen bereit sind, sich auf den Weg zu machen. Sie sind Botschafter*innen der Nächstenliebe – und machen gelebte Solidarität sichtbar", so Ziselsberger.
Anna Hauer und Drazenka Meissl erzählen von ihren Erfahrungen als Sammlerinnen und Mitarbeiterinnen bei der Pfarrcaritas: "Wir erleben, dass Familien, in denen beide Eltern arbeiten, die Miete nicht mehr zahlen können. Die Fixkosten sind so hoch geworden, dass der Spielraum für Essen und andere Ausgaben extrem eng wird."
Und weiter: "Durch das Sammeln von Spenden können wir außerdem bewirken, dass etwas zum Besseren verändert und Menschen direkt vor Ort geholfen wird."