Zwölf Anfragen, zwölf Absagen! Eine schwangere Tirolerin wollte eine freiwillige Untersuchung ihres ungeborenen Kindes durchführen lassen. Doch einen rechtzeitigen Termin zu bekommen, erwies sich als äußerst schwierig.
Dabei drängte die Zeit: Die sogenannte Nackenfaltenmessung kann nur in einem bestimmten Abschnitt der Schwangerschaft stattfinden.
Die Frau, die anonym bleiben möchte, begann bereits in der neunten Schwangerschaftswoche mit der Suche. Trotzdem wurde sie bei zahlreichen Ärzten und Krankenhäusern abgewiesen.
Wie die "Krone" berichtet, wandte sich "Sarah" zunächst an sieben niedergelassene Gynäkologen in ihrer Umgebung. Zusätzlich kontaktierte sie vier Bezirkskrankenhäuser sowie die Innsbrucker Klinik. Doch überall erhielt sie eine Absage.
"Nach den ersten Absagen habe ich mir noch nichts gedacht", erzählt die werdende Mutter. Als schließlich auch die Krankenhäuser keine Möglichkeit für eine Untersuchung anbieten konnten, machte sich Enttäuschung breit. "Ich bin frustriert", schildert Sarah ihre Situation.
Bei dem gewünschten Ersttrimester-Screening, kurz ETS, handelt es sich um eine freiwillige vorgeburtliche Untersuchung. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Nackenfaltenmessung oder Nackenfaltentest bekannt und kann Hinweise auf bestimmte Chromosomenstörungen und mögliche Fehlbildungen beim ungeborenen Kind liefern.
Die Untersuchung wird zwischen der elften und 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dafür sind speziell ausgebildete Fachärzte und entsprechende Ultraschallgeräte erforderlich. Zum Screening gehört außerdem eine Blutuntersuchung.
Anders als die regulären Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass ist das zusätzliche Screening freiwillig und muss von den Patientinnen selbst bezahlt werden. Für Sarah war die Untersuchung dennoch wichtig.
"Es geht auf keinen Fall darum, die Schwangerschaft bei Auffälligkeiten abzubrechen. Ich möchte nur Gewissheit", erklärt sie.
Die Schwierigkeiten bei der Terminvergabe hängen offenbar vor allem mit begrenzten Kapazitäten zusammen. In vielen Krankenhäusern werden vorrangig Patientinnen mit einer Überweisung betreut, etwa bei einer Risikoschwangerschaft.
Im Bezirkskrankenhaus Schwaz werden Ersttrimester-Screenings beispielsweise an zwei Wochentagen von zwei Fachärztinnen angeboten. An der Innsbrucker Klinik stehen sechs entsprechende Fachärzte zur Verfügung. Dort werden jährlich rund 3.500 Ambulanzbesuche und etwa 10.600 Untersuchungen verzeichnet.
Die Kliniken verweisen für zusätzliche Screenings auch auf niedergelassene Fachärzte und spezialisierte Zentren für Pränataldiagnostik, etwa in Salzburg oder Vorarlberg.
Der Fall passt zu einem größeren Problem im österreichischen Gesundheitssystem. Laut einer Untersuchung von krankenversicherung.at, bei der 1.601 Terminanfragen in allen neun Bundesländern ausgewertet wurden, beträgt die mediane Wartezeit für einen Gynäkologietermin österreichweit 34 Tage.
In der Inneren Medizin liegt die entsprechende Wartezeit in Tirol sogar bei 38 Tagen.
Für Untersuchungen, die nur in einem kurzen Zeitfenster durchgeführt werden können, können solche Wartezeiten besonders problematisch sein.
Für Sarah gibt es mittlerweile zumindest eine gute Nachricht: Nach ihrer langen Suche konnte sie schließlich doch noch einen Untersuchungstermin vereinbaren.
Ihr Fall zeigt aber, wie schwierig der Zugang zu einer freiwilligen vorgeburtlichen Untersuchung trotz frühzeitiger Bemühungen sein kann.
Vor allem dann, wenn Facharztpraxen und Krankenhäuser bereits ausgelastet sind, bleibt betroffenen Schwangeren nur wenig Spielraum für die Terminplanung.