Kerzen erinnern in Brodersdorf bei Eggersdorf an einen jungen Mann, der nach einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Der 19-Jährige war Samstagfrüh mit seinem Auto in ein Mehrparteienhaus gekracht. Neben der Trauer beschäftigt die Anrainer nun auch die Verkehrssituation auf der Bundesstraße 65 – das berichtet die "Kleine Zeitung".
Am Dienstag sind die Folgen des Unfalls noch deutlich zu sehen. Teile der Straße sind mit einem Bauzaun und Betonteilen abgesperrt, eine provisorische Ampel wird aufgestellt. Ein Bagger trägt den beschädigten Vorbau des Hauses ab. Eine Mauer fehlt, die Küche ist von außen zu sehen.
Der Unfall ereignete sich Samstag gegen fünf Uhr früh. Der 19-Jährige, der nicht weit entfernt wohnte, war mit seinem Auto unterwegs. Kurz vor dem Ortsgebiet hatte er noch mehrere Fahrzeuge überholt.
Danach kam sein Wagen rechts von der Straße ab, wurde über eine Böschung geschleudert und krachte gegen das Mehrparteienhaus. Das Fahrzeug blieb mehrere Meter über dem Boden in der Hauswand stecken.
Nur wenige Meter entfernt schlief ein Bewohner in seiner Wohnung. Er blieb unverletzt. Der 19-Jährige musste aus seinem Auto befreit werden und starb später im LKH Graz. Im Fahrzeug fand die Polizei Alkohol und Suchtgiftutensilien.
Die Betroffenheit unter den Bewohnern ist groß. Der vordere Teil des Hauses ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden.
"Es ist so schlimm, so ein junger Mensch musste sterben", sagt eine junge Mutter, die in dem Gebäude lebt, im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung". Sie selbst bemerkte den Aufprall nicht, ihre Mutter hingegen schon: "Es war wie ein Bombeneinschlag. Ich sagte zu meinem Mann: 'Ruf die Rettung.' Dann sind wir runter zur Unfallstelle, konnten aber nicht mehr helfen", sagt sie zur Tageszeitung.
Auch Gertrude Karner wurde durch das Geräusch aufmerksam. "Wir haben den Einschlag gehört, es klang für mich so, als ob eine Blechtafel umfällt", erinnert sie sich in der "Kleinen Zeitung". Zunächst vermutete sie einen gewöhnlichen Verkehrsunfall. "Wir dachten dann an einen Auffahrunfall, dann hörten wir schon die Sirenen."
Polizei, Rettung, Notarzt und knapp 50 Feuerwehrleute aus Haselbach und Ludersdorf rückten zum Unfallort aus.
"Die Gefahr für die Einsatzkräfte war groß, das Haus war einsturzgefährdet. Gott sei Dank haben wir nicht so oft so ein Szenario", schilderte Gerald Seidl, Kommandant der Feuerwehr Ludersdorf, gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Die Bergung des jungen Mannes gestaltete sich schwierig. "Wir mussten das Dach letztlich nach hinten aufbiegen, um den Verunfallten über den Fahrersitz von oben heraus zu befreien".
Nach dem Tod des 19-Jährigen wurden Kerzen an der Unfallstelle aufgestellt. Auch Freunde kamen vorbei.
"Am Abend waren Burschen da, um Abschied zu nehmen", erinnert sich ein Anrainer gegenüber der Tageszeitung. Gleichzeitig wird unter den Bewohnern Kritik an der Verkehrssituation laut. Obwohl es sich um Ortsgebiet handelt, seien viele Fahrzeuge zu schnell unterwegs.
"Hier ist Ortsgebiet und trotzdem schweißen viele wie wahnsinnig vorbei. Wir hatten das ganze Wochenende Angst, dass wer in die Absperrung rast", heißt es in dem Bericht weiter.
Eine Nachbarin berichtet in der "Kleinen Zeitung" ebenfalls von gefährlichen Situationen: "Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren vier schwere Unfälle. Es ist jeder Zweite zu schnell unterwegs. Es ist viel zu gefährlich. Es gibt keinen Zebrastreifen, keinen durchgängigen Fußgängerweg."
Zwar gebe es einen Radarkasten, doch aus Sicht der Anrainer löse dieser das Problem nicht. "Aber gleich danach geben alle wieder Gas."
Auch Gertrude und Peter Karner beobachten die Situation seit längerer Zeit. "Es gab da auch schon Gespräche mit dem Land", erinnert sich Peter Karner gegenüber der "Kleinen Zeitung". Gertrude Karner ergänzt: "Es ist schwierig, hier über die Straße zu kommen, mir tun da auch die Schulkinder leid".
Für den Bewohner der unmittelbar vom Unfall betroffenen Wohnung musste Eggersdorfs Bürgermeister Reinhard Pichler kurzfristig eine Ersatzunterkunft organisieren. "Gott sei Dank hat er nicht mehr abgekriegt als einen Schock."
Angesichts des Todes des 19-Jährigen steht für den Bürgermeister die Trauer im Vordergrund: "Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Eltern des Unfalllenkers", wird der Ortschef in der Tageszeitung zitiert.