Betrug als Geschäftsmodell

40 Mio. unbezahlte Überstunden – AK warnt vor Lohnraub

Nicht wenige Unternehmen würden Lohnbetrug zum Geschäftsmodell machen, ist die Arbeiterkammer (AK) überzeugt. Sie fordert härtere Strafen.
Wien Heute
24.02.2026, 12:50
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Lohn-, Steuer- und Sozialbetrug kosten jedes Jahr hunderte Millionen Euro. Die Arbeiterkammer Wien unterstützt deshalb das Vorgehen von Finanzminister Markus Marterbauer und dem Amt für Betrugsbekämpfung – fordert aber noch schärfere Maßnahmen.

Wie berichtet, wurden im vergangenen Jahr 51.000 Beschäftigte in 25.981 Betrieben überprüft, 411 Scheinunternehmen flogen auf und 7.288 Finanzstrafverfahren wurden abgeschlossen. Dazu kommen 128 Hausdurchsuchungen und sichergestellte 92,5 Terabyte an Beweisdaten.

AK Chefjurist: "Wer betrügt, muss zahlen"

AK Chefjurist Ludwig Dvořák findet klare Worte: "Unsere Beratungspraxis zeigt ganz deutlich, dass immer mehr Unternehmen Lohnbetrug zum Geschäftsmodell machen. Aus unserer Sicht ist klar: Wer betrügt, muss zahlen. Wer solche Methoden anwendet, darf nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Denn die Rechnung dafür zahlen andere – die Arbeitnehmer:innen, die um ihren Lohn gebracht werden; die ehrlichen Betriebe, die im unfairen Wettbewerb kaum mithalten können; und am Ende die Allgemeinheit, weil Steuern und Sozialbeiträge fehlen. Gerade in der derzeit angespannten Budgetsituation wären diese Einnahmen aber dringend nötig."

AK spricht von Lohnraub in Milliardenhöhe

Die Zahlen sind alarmierend: Allein in der Baubranche verursacht Sozialbetrug laut Finanzpolizei rund 350 Millionen Euro Schaden pro Jahr. Unternehmen, die Beschäftigte beim AMS "zwischenparken", belasten die Arbeitslosenversicherung mit rund 700 Millionen Euro jährlich. Dazu kommen etwa 40 Millionen unbezahlte Mehr- und Überstunden - Lohnraub in Milliardenhöhe.

Um gezielt dagegen vorzugehen, hat die AK Ende 2023 eine eigene Stabsstelle für Betrugsbekämpfung eingerichtet. Dort werden verschachtelte Firmenkonstruktionen analysiert, Subunternehmerketten geprüft und Anzeigen erstattet. Bis Dezember 2025 wurden Unterentlohnungen von fast 7 Millionen Euro angezeigt, mehr als 1.000 Arbeitnehmer waren betroffen.

„Sozialbetrug muss konsequent dort bekämpft werden, wo der größte Profit gemacht wird – bei Unternehmen, die systematisch Gesetze unterlaufen“
Ludwig DvořákAK Chefjurist

Für Dvořák steht fest, dass die bisherigen Strafen nicht ausreichen. "Die Abschaffung des Kumulationsprinzips war extrem kontraproduktiv, denn zu niedrige Strafen sind keine Abschreckung, sondern eine Einladung. Sozialbetrug muss konsequent dort bekämpft werden, wo der größte Profit gemacht wird – bei Unternehmen, die systematisch Gesetze unterlaufen", so Dvořák.

Strengere Haftungsregeln gefordert

Die AK fordert daher unter anderem eine Erstauftraggeberhaftung und strengere Haftungsregeln bei der Arbeitskräfteüberlassung. Ziel sei es, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, Arbeitnehmer zu schützen und die öffentlichen Kassen zu sichern.

Für die AK ist klar: Wer beim Lohn trickst, schadet nicht nur seinen Mitarbeitern - sondern dem ganzen System.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.02.2026, 12:50
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