Ein Ausflug mit dem Motorrad endete für den ehemaligen deutschen Spitzenbanker Gerhard Gribkowsky tödlich. Der 68-Jährige verunglückte am 4. Oktober auf einer Bundesstraße in Niederösterreich. Einst machte er mit einem millionenschweren Bestechungsskandal rund um die Formel 1 international Schlagzeilen.
Wie die deutsche "Bild" berichtet, handelt es sich bei dem Todesopfer um den früheren Vorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB).
Der Unfall ereignete sich gegen 14.10 Uhr auf der B27 bei Schwarzau im Gebirge. Gribkowsky war mit seinem Motorrad in Richtung Reichenau unterwegs, als er aus bisher nicht genannten Gründen von der Fahrbahn abkam.
Die Maschine geriet auf den unbefestigten Straßenrand. Dort prallte das Vorderrad gegen einen Regenschachtdeckel. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der 68-Jährige laut Polizei rund zehn Meter durch die Luft geschleudert, berichtet die "Bild".
Andere Autofahrer hielten sofort an, verständigten die Einsatzkräfte und versuchten, dem Schwerverletzten zu helfen. Für Gribkowsky kam jedoch jede Hilfe zu spät. Die Notärztin konnte nur noch seinen Tod feststellen.
Der gebürtige Hamburger hatte jahrelang zu den einflussreichen Bankern Deutschlands gehört. Als Risikovorstand der BayernLB war er für bedeutende Geschäfte verantwortlich und verdiente rund 500.000 Euro im Jahr. Privat lebte er in einer Villa im wohlhabenden Münchner Vorort Grünwald.
Seine Karriere nahm jedoch durch einen Korruptionsskandal im Formel-1-Geschäft eine dramatische Wendung.
Nach der Insolvenz der Kirch-Mediengruppe im Jahr 2002 waren Beteiligungen an der Formel 1 in den Besitz der BayernLB gelangt. Gribkowsky wurde Mitglied des Aufsichtsrats einer Formel-1-Gesellschaft und spielte später beim Verkauf der Anteile an den Finanzinvestor CVC eine entscheidende Rolle.
Genau dieses Geschäft brachte ihn schließlich vor Gericht.
Im Jahr 2012 wurde Gribkowsky vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Im Verfahren hatte der Banker zugegeben, im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile rund 44 Millionen US-Dollar vom damaligen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten zu haben. Die Einnahmen hatte er nicht versteuert.
Die Affäre erschütterte die internationale Motorsportwelt. Auch gegen Ecclestone wurde ermittelt. Sein Strafverfahren endete 2014 allerdings ohne Schuldspruch, nachdem der Brite einer Geldauflage von 100 Millionen US-Dollar zugestimmt hatte.
Für Gribkowsky hatte der Skandal schwerwiegende Folgen. Bereits 2008 war er während der Finanzkrise aus dem Vorstand der BayernLB ausgeschieden. 2011 wurde er in Untersuchungshaft genommen, 2012 folgte die Verurteilung.
Nach dem Ende seiner Bankerkarriere fand Gribkowsky beruflich in Österreich eine neue Aufgabe. Ab 2013 arbeitete er während seiner Haft als Freigänger für den Baukonzern Strabag. Das Unternehmen war ihm bereits bekannt, weil er zuvor dessen Aufsichtsrat angehört hatte.
2016 kam er vorzeitig aus dem Gefängnis frei und setzte seine Tätigkeit bei Strabag fort. Sein früherer Rechtsanwalt Dirk Petri zeigte sich gegenüber der "Bild" betroffen über den Tod seines ehemaligen Mandanten.
"Er hatte nach seiner Verurteilung und verbüßten Haftstrafe wieder ins bürgerliche Leben zurückgefunden. Dass es jetzt zu diesem tragischen Unfall kam, ist für ihn und seine Familie sehr traurig", erklärt er in der "Bild".
Nach seiner Haft hatte sich Gribkowsky ein neues berufliches Leben aufgebaut. Nun endete dieses im Alter von 68 Jahren bei einem Motorradunfall in Niederösterreich.