Mehr arbeiten und dafür weniger Geld bekommen – genau das ist einer Frau aus dem Bezirk Mistelbach passiert. Nachdem ihre Tochter mittlerweile in Hollabrunn die Matura macht, wollte die Mutter beruflich wieder voll durchstarten. Sie erhöhte ihre Arbeitszeit von 25 auf 40 Wochenstunden. Doch statt einer finanziellen Verbesserung folgte die böse Überraschung.
Mit 25 Wochenstunden verdiente die Frau rund 1.450 Euro monatlich. Dazu kamen 360 Euro Alimente. Zusätzlich erhielt sie einen Wohnzuschuss von 385 Euro. Insgesamt standen ihr damit rechnerisch 2.195 Euro zur Verfügung.
Durch den Umstieg auf 40 Wochenstunden stieg ihr Arbeitseinkommen auf 1.825,97 Euro. Gemeinsam mit den Alimenten sind das 2.185,97 Euro. Weil sie damit die Einkommensgrenze überschreitet, fällt der gesamte Wohnzuschuss von 385 Euro weg.
Das bittere Ergebnis: Obwohl die Frau nun 15 Stunden pro Woche mehr arbeitet, bleiben ihr laut den vorliegenden Zahlen monatlich 9,03 Euro weniger übrig.
Für den Weinviertler Vizepräsidenten der Volkshilfe Niederösterreich, Hans Hager, ist dieser Fall ein klares Zeichen dafür, dass das Fördersystem dringend geändert werden muss. "So kann es doch nicht sein, dass Leistung bestraft wird", kritisiert Hager. Besonders absurd: Die 360 Euro Alimente werden beim Einkommen der Frau mitgerechnet, obwohl sie den gesamten Betrag direkt auf das Konto ihrer Tochter überweist.
Die Betroffene steht nun vor einer paradoxen Entscheidung. Sie fragt sich, ob sie tatsächlich wieder auf 25 Wochenstunden reduzieren soll, weil ihr dadurch finanziell mehr bleibt.
Laut Volkshilfe handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Auch Mindestpensionisten können nach einer kleinen Pensionserhöhung plötzlich wichtige Zuschüsse oder Gebührenbefreiungen verlieren. Wenige Euro mehr Einkommen können somit finanzielle Nachteile von mehreren Hundert Euro auslösen.
Hager fordert deshalb ein Ende der starren Einkommensgrenzen bei Wohnzuschüssen, Familienförderungen und Gebührenbefreiungen, etwa für Rundfunk, Rezeptgebühren oder Telefon. Stattdessen sollen Förderungen bei steigendem Einkommen schrittweise reduziert werden. So soll verhindert werden, dass Menschen durch Mehrarbeit oder eine kleine Pensionserhöhung finanziell schlechter dastehen.
Für die Frau aus dem Weinviertel bedeutet das derzeit: 15 Stunden mehr Arbeit pro Woche, aber 9,03 Euro weniger im Monat. Genau diese absurde Rechnung will die Volkshilfe künftig verhindern.